Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag (Joh 3,16-18)

Mega

Einfach großartig, überwältigend, brillant, außerordentlich, einmalig, exorbitant … das sind ein paar Adjektive, die absolut Außergewöhnliches, ja geradezu Unbeschreibliches beschreiben wollen. Es gibt natürlich noch viel mehr davon: supercool, obergeil oder einfach nur mega. Es werden immer wieder neue Begriffe erfunden, die etwas Fulminantes, noch nie Dagewesenes zum Ausdruck bringen wollen.

Vor 1700 Jahren suchte die Christenheit nach einem Begriff, der ihre einzigartige Gotteserfahrung beschreiben könnte. Dabei erfand man den Begriff „Dreifaltigkeit“ – Trinitatis auf Latein, Trias auf Griechisch. Dieses Wort beschreibt Gott als das eine einzigartige Wesen, das in der Bibel in drei göttlichen Personen – dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist – erfahren wird. „Gott ist dreifaltig einer“ singen wir deshalb in einem Lied aus dem Gotteslob. Diese so genannte Trinitätslehre, also die Lehre von der Dreifaltigkeit prägt seither das Gottesbild aller Christinnen und Christen: Wir glauben an einen Gott in drei Personen. Einer ist drei, drei ist einer, ohne genau erklären zu können, was das genau bedeutet, wie das genau zu verstehen ist.

Ich bin jedes Jahr vom Sonntag der Dreifaltigkeit fasziniert, weil mir dieses Fest am Sonntag nach Pfingsten deutlich macht, dass Gott selbst jedes Bild von ihm, jede Vorstellung, die wir uns von ihm machen, sprengt. Nicht einmal die Künstliche Intelligenz ist dazu in der Lage. Ich kann sie zwar bitten, die Dreifaltigkeit darzustellen. Und das Ergebnis, das dabei herauskommt, ist gar nicht so schlecht … ein Versuch, den die KI anbietet, zeigt drei tanzende Gestalten in unterschiedlichen Farben, die sich an den Händen halten und miteinander ein Herz bilden. Dieses Bild mag uns helfen, Gott näher zu kommen: Gott, der in sich selbst eine Gemeinschaft bildet, die Liebe ist und Liebe verströmt. Damit wäre sogar der heilige Franz von Sales einverstanden, für den Gott Liebe ist und der Heilige Geist die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn, die auf die Schöpfung ausstrahlt. Trotzdem erklärt dieses Bild Gott nur zu einem kleinen Teil. Es ist nicht falsch, es ist aber auch nicht alles.

Das heißt: Der Sonntag der Dreifaltigkeit, fordert uns dazu heraus, uns ein Leben lang auf die Suche nach Gott zu machen, darüber nachzudenken, wie ist Gott, wie ist er zu verstehen, warum ist er so, warum nicht anders … und was hat all das für Konsequenzen für mein Leben.

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab“, haben wir im Evangelium gehört … was bedeutet eine solche Aussage über Gott für meine Lebensgestaltung?

Eines jedenfalls ist sicher: Gott ist nicht langweilig, er ist dreifaltig und er ist noch viel mehr. Meinetwegen ist er großartig, überwältigend, brillant, außerordentlich, einmalig, exorbitant … supercool oder einfach mega. Er ist es jedenfalls Wert, dass man sich ein Leben lang mit ihm beschäftigt, er fasziniert die Atheistinnen und Atheisten genauso wie die Frommen. Vor allem aber ist er der Unbegreifliche, denn, so sagt Franz von Sales so schön: „Es gibt Wahrheiten, die wir mit unserer Einbildungskraft in keiner Weise erfassen können: so die Wahrheit von der hochheiligen Dreifaltigkeit … Wir können uns nicht vorstellen, wie das sein kann; dennoch aber glaubt es unser Verstand fest und einfach auf die bloße Sicherheit hin, die er aus dem Wort Gottes schöpft.“ (DASal 7,103)

Was also letztendlich bleibt, bei allem Nachdenken über Gott und seinem Wesen, ob einzig oder dreifaltig, das ist die staunende Anbetung, das heilige Schweigen. Mit Franz von Sales sage ich: „Möge uns diese hochheilige Dreifaltigkeit in ihrer übergroßen Güte gnädig sein und mögen wir hinfort ihren Willen erfüllen.“ (DASal 5,282) Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS