Predigt zum Priesterjubiläum P. Macek und P. Haußner
60-jähriges Priesterjubiläum P. Herbert Macek OSFS (diamanten)
55-jähriges Priesterjubiläum P. Konrad Haußner OSFS (platin)
Wien, Kirche St. Anna, 29. Juni 2026
Lieber Herbert, lieber Konrad,
ihr beide feiert heute am Hochfest der beiden Apostelfürsten Petrus uns Paulus als die beiden Priester von St. Anna den einschneidenden Moment, der Euer Leben sicher am meisten geprägt und bestimmt hat. Das war der Moment, an dem Euch der Bischof die Hände aufgelegt hat, Eure Hände gesalbt hat und Euch das Versprechen abgenommen hat, Euer Leben ganz auf Jesus Christus und seine Frohe Botschaft auszurichten. „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“ Mit dem Weihegebet und der Handauflegung seid Ihr gesandt worden, den Dienst der Apostel fortzusetzen. Du, Herbert, hast das mit dem heutigen Tag 60 Jahre lang versucht, geschafft – erfolgreich oder vielleicht auch weniger erfolgreich. Und du, Konrad, gehst diesem Auftrag seit 55 Jahren konsequent nach. Wobei Konsequenz ja nur ein anderes Wort für Nachfolge ist.
Interessant ist es allemal, dass Jubiläen immer mit besonderen Bezeichnungen versehen werden. 60 Jahre Preister wie auch 60 Jahre Ehe bezeichnet man als „diamanten“. 55 Jahre gibt es bei Priestern eigentlich nicht, was ja nicht heißen soll, dass man es nicht feiern soll, aber bei der Ehe gibt es für 55 Jahre eine Bezeichnung: nämlich „Platin“(hochzeit). Diese Bezeichnungen rühren daher, dass man mit ihnen bestimmt Eigenschaften verbindet, die mit dem Leben und der Lebensführung etwas zu tun haben. Vor allem einmal mit der Treue, die jemand für so lange Zeit gelebt hat und bereit ist, weiterzuleben. Es ist die Treue zu Gott, zu den Menschen, zum jeweiligen Auftrag, zur jeweiligen Lebensform. Letztlich auch die Treue zu sich selbst. Und Treue ist keine Leistung, sondern im wahrsten Sinne ein Geschenk, eine Gnade. Doch zurück zu den symbolischen Aussagen von „diamanten“ und „platin“. Diamanten gehören wohl zu den beeindruckendsten Edelsteinen, die wir kennen. Mit Diamanten schmücken sich die Menschen auf ihren Ringen oder Colliers, Broschen, Kronen – aber auch im sakralen Bereich schmückt man Kreuze, Monstranzen, Reliquien und vieles mehr mit Diamanten. Den Wert eines Diamanten bestimmt man durch sein Gewicht, oder anders bezeichnet mit Karat, – und durch seinen Schliff. Was von beiden ist wichtiger: Karat oder Schliff? Während das Karat-Gewicht die Größe beeinflusst, wirkt sich der Schliff darauf aus, wie ein Diamant im Licht funkelt. Ein gut geschliffener Diamant mit einem bescheidenen Karat-Gewicht kann beeindruckender wirken als ein größerer Diamant mit einem schlechteren Schliff. Wenn man also ein diamantenes Priesterjubiläum feiert, dann kann man wohl darauf besonderes Augenmerk legen, wie die 6 Jahrzehnte Priestersein mich/dich geschliffen haben und welches Gewicht oder anders gesagt, welche Bedeutung (Wichtigkeit) für jemanden sein Priestersein im Laufe dieser Jahre bekommen hat. Wie sagt der hl. Paulus einmal: Als ich ein Kind war, dachte und urteilte ich wie ein Kind, jetzt bin ich ein Mann und habe das kindliche Wesen abgelegt. Und trotzdem muss er bekennen: Was wir jetzt sehen und erkennen, sehen wir undeutlich und wie durch einen trüben Spiegel verzerrt. Einmal aber werden wir Gott sehen, wie er wirklich ist. Das wäre dann mit dem Funkeln des Diamanten gleichzusetzen. Ob es mehr der Schliff war oder das Karat-Gewicht, das einen Priester im Lichte Gottes zum Funkeln bringt, das muss jeder Priester selbst in seinem Leben reflektieren. Entscheidend ist jedoch: Wer sich dem Ruf Gottes aussetzt, wird dem Schliff des Evangeliums nicht auskommen, egal welches Karat-Gewicht er auch immer hat, anders gesagt, welche Wichtigkeit er in seinem Amt, in der Kirche, in seiner Aufgabe hat.
Und wie ist das mit dem Platin? Das Platin steht symbolisch für die unzerstörbare Beständigkeit, für den außergewöhnlichen Wert und die Seltenheit der langen Bindung, die man eingegangen ist. Simon Barjona wird von Jesus Petrus genannt, das heißt Fels. Platin ist vielleicht noch unzerstörbarer wie Fels. Auf jeden Fall drückt es aus, dass Jesus nichts von all dem, was er einem Menschen von sich mitgibt, jemals wieder zurücknimmt. Deshalb ist die Priesterweihe auch etwas, das für das ganze Leben nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Sie bleibt das ganze Leben bestehen, genauso wie die Taufe, die Firmung, die Ehe. Gott gibt nichts, was er später wieder zurücknehmen möchte. Und nicht nur das, er gibt nicht nur etwas von sich, er gibt sich ganz. Das ist das Unzerstörbare, weil es auf seiner Liebe aufgebaut ist, und die Liebe Gottes zu uns durch nichts zerstört oder unterbunden werden kann. Er gibt sich uns ganz, am deutlichsten wird das wohl in der hl. Kommunion. Hier legt sich Gott in Jesus Christus ganz in meine Hand. Das ist die grundlegendste Sendung des Priesters: die Liebe Gottes durch die Eucharistie und die hl. Kommunion den Menschen zu bringen. Darin ist alles enthalten: die Versöhnung, das Empfangen und das Geben, das Einswerden, das Dienen und das Senden, das Loben und das Danken, das Wachsen und die Wandlung. Gott nimmt sich niemals in seiner Liebe zurück.
Liebe Jubilare, ein Feiertag wie heute kann eine wunderbare Gelegenheit sein, das Geschenk Eures Priesterseins in Eurem Herzen zu erwägen und zu bewahren und dafür zutiefst dankbar zu sein. Amen
P. Thomas Vanek OSFS



