Predigt zum 19. Sonntag im Jahreskreis (Mt 14,22-33)
Habt Vertrauen, ich bin es
Diese Stelle aus dem Matthäusevangelium, die wir gerade hörten, gehört zu einen meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Man muss sich das nur einmal vorstellen: da wirkt Jesus das unglaubliche Wunder der Brotvermehrung. Man könnte meinen, die Jünger wissen jetzt, was sie an Jesus haben. Er hat es ihnen ja eindrucksvoll bewiesen, indem er mit fünf Broten und zwei Fischen tausende Menschen satt machte.
Und kurz darauf sind die Jünger allein im Boot auf dem See, bekommen Gegenwind – und sie erschrecken vor Jesus, weil sie meinen, er sei ein Gespenst. Und dann die Szene mit dem stets ungestümen Apostel Petrus. Nichts kann ihn aufhalten, um Jesus sogar über das Wasser entgegenzugehen, dann aber verlässt ihn der Mut und er geht unter.
Genauso oder so ähnlich kann es uns in unserem Leben ebenfalls immer wieder ergehen. Wir sind getauft, wir folgen Jesus, wir hören Sonntag für Sonntag oder noch öfter von seinen großen Taten, von seiner Geburt im Stall von Betlehem, von seinen Wundern, die er wirkte, von seiner frohen lebenspendenden Botschaft der Liebe, schließlich von seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung am dritten Tag.
Im Glaubensbekenntnis bekennen wir, dass Jesus der Sohn Gottes ist, wahrer Gott und wahrer Mensch, unser Heiland, Retter und Erlöser, dem wir voll und ganz vertrauen können, weil seine Macht und Herrlichkeit kein Ende haben. Und dann kommt etwas Gegenwind, und schon ist es vorbei mit dem Vertrauen … wir haben Zweifel, wir stellen Gottes Allmacht in Frage, meinen all das, was die Bibel lehrt, sei vielleicht nur Illusion, Erfindung, ein Gespenst, dem wir folgen.
Gut, dass Jesus Christus mit all dem rechnet und auch Verständnis dafür hat. Seine Botschaft an seine Jünger und damit auch an uns heute lautet daher: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ Diese Worte sollten wir uns wahrlich ganz fest einprägen und immer wieder, am besten jeden Tag vorsagen: Wir können und dürfen Jesus Christus vertrauen, er ist kein Gespenst, sondern er hält uns in seinen Händen. Er achtet darauf, dass wir nicht untergehen, so wie er es bei seinen Jüngern und beim Apostel Petrus getan hat.
Der heilige Franz von Sales hat die Menschen seiner Zeit unermüdlich darauf hingewiesen, Gott aus ganzem Herzen zu vertrauen. „Es hat noch keiner sein Vertrauen auf Gott gesetzt“, so war seine Überzeugung, „ohne dafür reiche Frucht zu empfangen“ (DASal 2,104). Und die Zeit, in der er lebte, war wahrlich nicht einfach – es gab Bürgerkriege, Armut, Hunger und die Pest. Trotzdem sagte er: „Gehen Sie immer Ihren Weg im Vertrauen auf Gott; … Haben Sie keine Furcht“ (DASal 7,207).
Die Jünger Jesu haben dies im Laufe ihres Lebens und durch ihr intensives Festhalten an Jesus Christus schließlich begriffen. Aus ihrem Kleinglauben wurde Gottvertrauen bis zum Tod. Halten wir uns also genauso wie Petrus an der Hand Jesu fest und sagen ihm: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn“. Amen.
P. Herbert Winklehner OSFS


Angela Reinders - Pfarrbriefsservice.de