Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis (Mt 14,13-21)

Gebt ihr ihnen zu essen

Von seiner Mutter lernte der heilige Franz von Sales das Beten. Ein Leben lang war er davon überzeugt, dass ihn Gott mit seiner liebenden Gegenwart umgibt, so wie sich eine liebende Mutter um ihr Kind sorgt. Sein Vater brachte dem heiligen Franz von Sales das sozial-caritative Engagement bei. Niemand, der an unsere Tür klopft und um Hilfe bittet, so sagte er seinem Sohn, soll mit leeren Händen davongehen müssen. Für Franz von Sales war daher zeit seines Lebens die Hilfe für die Armen eine ganz wesentliche Aufgabe der Kirche. Gottesliebe und Nächstenliebe sind nicht zu trennen (DASal 2,316), war seine Überzeugung. „Nichts ist der Liebe so entgegengesetzt, wie die Verachtung des Nächsten“ (DASal 1,174). „Den Nächsten mit heiliger Liebe lieben, heißt Gott im Menschen oder den Menschen in Gott lieben“ (DASal 4,199). Caritas und Liturgie sind deshalb Grundsäulen des kirchlichen Lebens. Beides gehört zu den wesentlichen Aufgaben einer funktionierenden Pfarrgemeinde, genauso wie die Martyria, also das öffentliche Zeugnisgeben, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes ist, unser Heiland und Erlöser.

Im heutigen Evangelium wird vom Wunder der Brotverehrung berichtet. Die Menschen werden von Jesus Christus in ihrer Seele gestärkt. Er hat Mitleid mit ihnen, er ermutigt sie mit seiner frohmachenden Botschaft und er heilt ihre Seelen. Dann gegen Abend bekommen die Menschen Hunger und Jesus fordert seine Jünger auf, ihnen Essen zu geben. Die Reaktion der Jünger ist natürlich verständlich, und höchstwahrscheinlich hätten wir ganz genauso reagiert: Wir haben doch nur fünf Brote und zwei Fische, was, um Himmels willen, ist das für so viele.

Angesichts der großen Armut, die in der Welt herrscht und immer weiter zunimmt, mag eine solche Reaktion in vielen unserer Köpfe herumschwirren … was kann ich schon tun, was ist das für so viele? Da kommt der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“ ins Spiel, der sofort verdunstet ist, bevor er noch seine Wirkung zeigt. Das heutige Evangelium ruft uns dazu auf, das Wenige, das wir tun können, auch wenn es uns noch so sinnlos erscheint, trotzdem zu tun. Wer weiß denn schon, was Gott aus diesen kleinsten Schritten der Nächstenliebe nicht alles machen kann. Im Evangelium ist die Wirkung dieser fünf Brote und zwei Fische jedenfalls so gewaltig, dass nicht nur alle satt werden, sondern dass sogar noch eine Menge übrigbleibt und von den Jüngern eingesammelt werden muss.

Glauben wir also daran: Jede noch so kleine Spende kann Wunder wirken, jede kleinste Hilfe, jede kleinste caritative Initiative, jedes kleinste Zeichen der Nächstenliebe hat eine Bedeutung. Und so bedanke ich mich ganz herzlich bei all jenen, die sich in der Pfarrgemeinde auf den unterschiedlichsten Gebieten caritativ engagieren, und bei allen, die dieses Engagement durch ihre Spenden unterstützen. Denken wir also immer an die fünf Brote und die zwei Fische, falls wir einmal meinen sollten: Was kann ich da schon tun, was ist das für so viele. Das Evangelium verkündet uns: Wunder sind möglich. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS