Predigt zum Requiem P. Hans Junker

Er trat als Zeuge auf

Evangelium: Johannes 1,1-18

Liebe Verwandte und Freunde von P. Junker, liebe Mitbrüder, liebe Trauergemeinde,

ich habe zu diesem Gottesdienst eine der schönsten Stellen im Neuen Testament ausgesucht (Joh 1,1-18), eine Stelle, in der sein Namenspatron, der hl. Johannes der Täufer erwähnt und von dem gesagt wird:

„Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“ (Joh 1,6-8)

Das trifft es gut. Diese Stelle fasst gut zusammen, was P. Junker Zeit seines priesterlichen Lebens gemacht hat: Er trat als Zeuge auf, er legte Zeugnis für seinen Glauben ab, für Gott, für einen menschenliebenden und fürsorgenden Gott; er ergriff das Wort, er predigte, er erzählte, er lächelte, er war engagiert und nicht nur ein Mann großer Worte, sondern auch der konkreten Hilfe, um das Leben der Menschen ein wenig heller werden zu lassen.

P. Hans wurde am 11. März 1936 in Aschaffenburg geboren, seiner das ganze Leben hindurch geliebten Stadt. Am selben Tag wurde der Familie Junker und der Stadt ein zweites Kind geschenkt, denn Hans verbrachte die neun Monate vor seiner Geburt schon mit seiner Zwillingsschwester Rita, die leider mit dreieinhalb Jahren verstarb, was ihn sehr getroffen hat.
Allerdings wurde sie sehr schnell eine Art Engel für ihn, den er auch dringend durch die Kriegsjahre hindurch brauchte. Denn den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Kind hautnah mit. Er hat sich bis zum Lebensende an die Zeit in den Bunkern, den Hunger und an den Großangriff auf seine Heimatstadt Aschaffenburg am 21. November 1944 erinnert.

Was genau solche Erfahrungen mit Menschen machen, wissen wir nicht, aber P. Hans hat es „Gottes Fügung“, Gottes Wille genannt, dass er überlebt hat.
Auch wissen wir nicht, ob Hans eventuell aus einer Art Dankbarkeit für die Begleitung Gottes durch diese schwere Zeit den Ruf als Priester und Ordensmann vernommen hat.

Jedenfalls ist er in den 1960er Jahren hierher nach Eichstätt gekommen, um bei uns Oblaten des hl. Franz von Sales Heimat zu finden. Hier legte er das erste Mal das Versprechen ab, nach den drei Gelübden leben zu wollen, und er wurde im Juni 1966 zum Priester geweiht.

Priester war er gerne. Ein Priester, der um seine Berufung wusste. Eine Berufung zu etwas Besonderem.
Rechtzeitig vor seiner Weihe und seinem ersten Gottesdienst schenkte man ihm den Kelch mit Patene und eine Stola. Vor allem die Stola gilt ja allgemein als dasjenige Kleidungsstück, das jemanden als Priester ausweist. Durch diesen um den Hals gelegten, schmalen, oftmals edlen Schal, die Stola, erkennt man rein äußerlich einen Priester.
In seinen jungen Jahren war er dadurch plötzlich jemand anderer, und das blieb er bis zum Lebensende: aus dem Alltag etwas herausgehoben, nicht heilig, aber doch dem flachen und normalen Dasein entronnen.
Jemand hat einmal geschrieben: Wenn ein Priester mit Stola erscheint, dann ist Verehrung angezeigt, Distanz vorgeschrieben. Hier gilt Kniebeuge. Hier gilt Hochwürden.
Diese Stola wurde ihm auch mit in das Grab gelegt, weil sie zu ihm ganz fest gehörte, weil ihm diese äußeren Zeichen auch ganz wichtig waren und er gerne in der kirchlichen Hierarchie zu Hause war.

Aber er wusste auch, dass seine Berufung den Menschen galt, mit denen er gerne unterwegs war und für die er immer ein offenes Ohr hatte.
50 Jahre identifizierte er sich als Seelsorger mit seinen Pfarreien, begleitete die Lebenswege der Menschen, hielt unzählige Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.
Da er die Geselligkeit liebte, Humor hatte, freundlich war und viel erzählen konnte, war er auch gerne bei Feiern und Festen gesehen.

Er selbst sagte einmal, dass er mit den Menschen in all den verschiedenen Gemeinden immer gut zurechtkam. Er mit ihnen, und sie mit ihm. Auch deshalb bekam er die Liborius-Wagner-Plakette, die höchste Auszeichnung für Priester in der Diözese Würzburg, und gilt damit als „des uralten Glaubens neuer Zeuge“, wie es auf der Plakette heißt.
In der Diözese Regensburg wurde ihm der Titel „Geistlicher Rat“ verliehen.
Auszeichnungen, Anerkennungen, die ihm wichtig waren.

Wie ihr alle wisst, war für ihn nie die Grenze der Pfarrgemeinde oder der Diözese entscheidend, sondern das Wohl des Menschen. Und deshalb hat er sich auch sehr für die Menschen in unseren Missionsstationen in Namibia eingesetzt und viele Spendengelder zusammengeworben. Das war ihm wichtig. Auch seine Reisen dorthin. Und wer ihn schon einmal auf seinem Zimmer besucht hat, dem wird aufgefallen sein, wie viele Andenken aus Namibia herumstanden und an den Wänden hingen.

Mir wurde gesagt, dass er bis zuletzt Verbindung zu Menschen in seinen alten Wirkungsstätten gehalten hat, was ihm Dank seiner Aufgeschlossenheit zu neuen Kommunikationsmitteln und dem Internet möglich war.
Der Computer war irgendwie sein Hobby, sein Spielzeug, der ihm die Türen zu seinen Gemeinden und seiner Heimat öffnete. Für einen 88-jährigen Mann keine Selbstverständlichkeit.

Trotz aller Offenheit für Neues war er vor allem ein treuer Priester. Das beschreibt ihn gut. Treue bedeutet, verlässlich zu sein, ein Versprechen zu halten, den Traditionen verpflichtet, den Menschen in den Gemeinden, dem Orden, seinen Freunden und vor allem auch seiner Berufung zum Ordensmann und Priester treu zu bleiben, bei den Gebetszeiten und bei den Gottesdiensten hier im Salesianum bis zum letzten Tag dabei zu sein.

Als ich gehört habe, dass P. Junker ins Krankenhaus eingeliefert wurde, habe ich mir vorgenommen, ihn auf meinem Weg von Jülich nach Wien noch zu besuchen. Leider habe ich ihn nicht mehr angetroffen, da er am Mittwoch, 17. Januar, im Beisein eines Mitbruders friedlich eingeschlafen ist.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Mitarbeiterinnen und bei meinen Mitbrüdern hier im Salesianum bedanken, die P. Hans in den letzten Jahren eine Heimat gegeben haben, sich um ihn bemüht, ihn gepflegt und sich gesorgt haben. Dank auch an P. Benedikt, der ihn so oft angerufen hat. Danke für die viele Zeit, die liebevolle Betreuung, die ihr unserem Mitbruder in den letzten Jahren geschenkt habt.

Anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums sagte er: „Ich habe es nie bereut, Priester geworden zu sein.“ Und: „Ich bin eigentlich wunschlos glücklich.“
Was für ein Leben, wenn man auf seine vielen Lebensjahre zurückschauen kann und zu dem Urteil kommt: Es passt. Alles richtig. Es war ein Leben der Freude.

Und jetzt? Es wird sich nicht viel ändern für ihn, denn bei Gott sein heißt nichts anderes, als Freude und Friede zu erleben. Es ist der bleibende Ort, wo es keine Sorgen, keine Krankheit und keinen Tod mehr gibt, sondern wo das volle Leben ist. Unsere Glaubenstradition nennt diesen Ort „Paradies“, den Ort der bleibenden Nähe Gottes.

So feiern wir jetzt mit unserem Mitbruder und für ihn die Eucharistie, die Feier des Lebens und des großen Geheimnisses der Auferstehung, und vertrauen ihn der unendlichen Barmherzigkeit Gottes an.

Provinzial P. Josef Költringer OSFS, Eichstätt, 25.1.2024