Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis (Mt 10,37-42)

Wie viel ist mir Jesus wert?

Wie viel ist mir Jesus wert? Diese Frage habe ich mir als Erstes gestellt, als ich das heutige Evangelium las.

Dann ist mir die Fußballweltmeisterschaft eingefallen und deren nachfrageorientierte Preisgestaltung – „Dynamic Pricing“ genannt. Das führt dazu, dass Eintrittskarten nicht nur hunderte, sondern tausende Dollars kosten können. Hinzu kommen die Kosten für Hin- und Rückreise, Übernachtung, Essen und Trinken. Ich frage mich, wer kann sich das alles leisten? – Trotzdem scheint dieses Modell wunderbar zu funktionieren. Die Stadien sind voll, die Veranstalter mit den Einnahmen zufrieden. Unglaublich.

Wieviel wert ist mir Jesus Christus? Er selbst sagt heute: Wer Vater, Mutter, Sohn und Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert? Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Natürlich, der Hintergrund solcher Aussagen ist die reale Situation der ersten Jüngerinnen und Jünger. Oft genug standen diese vor der Entscheidung, ihre Familie zu verlassen, um Christin oder Christ zu werden. Ähnlich wie heute in manchen muslimischen Ländern, war ein Übertritt zum Christentum gleichbedeutend mit einem Ausschluss aus der Familie, und manchmal sogar gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Hier bei uns in Österreich ist es noch heute so, dass Muslime, die sich taufen lassen wollen, extra gefragt werden müssen, ob ihnen dadurch Probleme mit ihrer Familie entstehen.

Bin ich bereit, mein Leben für Jesus zu verlieren? Vor einer solchen Frage habe ich großen Respekt, und ich bin froh, in einem Land leben zu dürfen, in der ich freie Religionsausübung genießen kann, ja, in dem ich sogar problemlos die Kirche kritisieren darf, den Papst, die Bischöfe und sogar Jesus selbst – in Wort und Bild, ohne dass ich mit einem Todesurteil bedroht werde.

Umso intensiver aber stellt sich genau deshalb die Frage: Wieviel ist mir Jesus wert? Bin ich bereit, mich zu ihm zu bekennen, wenn ich dafür ausgelacht und verspottet werde? Bin ich bereit, auf Genuss, Freizeit, Hobbies, Luxus zu verzichten, um Jesu willen? Bin ich bereit, ihm Zeit zu schenken? Wenigstens eine Stunde in der Woche?

Froh bin ich, dass Jesus sehr genügsam ist: Selbst ein Becher Wasser verspricht schon eine Belohnung. Umso mehr aber fordert mich das heraus, denn ich glaube, Jesus ist mehr wert als nur ein Becher Wasser. Ich möchte ihm schon mehr geben, mehr für ihn tun, mehr mich mit ihm beschäftigen und ihm Zeit widmen.

Der heilige Franz von Sales empfiehlt, dass wir Jesus jeden Tag wenigstens eine halbe Stunde Zeit schenken, in dem wir im Gebet mit ihm verbunden sind. Eine damals viel beschäftigte Frau meinte: Das ist mir zu viel. Dieser schrieb er: Dann probieren sie es mit einer Viertelstunde – und wenn sie wirklich viel zu tun haben, dann wenigstens eine halbe Viertelstunde, aber in diesen siebeneinhalb Minuten tun sie dann wirklich nichts anderes als Jesus Christus zu betrachten. Und sie werden erleben: Es wird bald mehr werden, weil ihnen diese Zeit mit Gott guttut.

Wie viel ist mir Jesus wert? Eine jede und ein jeder ist aufgerufen, darüber einmal ernsthaft nachzudenken. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS