Predigt zum Fronleichnamsfest (Joh 6,51-58)

Der Wert der Eucharistie

Fronleichnam – das heißt „Leib des Herrn“. Das Fest, das wir heute feiern, nennt sich in der offiziellen Sprache der Kirche „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“. Für den heiligen Franz von Sales war dieses Fest so wichtig, dass er dafür sogar seine sprichwörtliche Sanftmut und Toleranz beiseitelegte und auf seine bischöfliche Autorität pochte.

Was war passiert? Zu seiner Zeit war es üblich, dass der Pfarrer als höchster Geistlicher einer Pfarrgemeinde bei der Fronleichnamsprozession auch die Monstranz trägt. In der Stadt Annecy war nun die besondere Situation, dass in der Stadt auch der Bischof von Genf residierte, da dieser in der Reformation aus seiner Bischofsstadt vertrieben wurde. Der Bischof lebte also in Annecy praktisch als Flüchtling. Bei der Fronleichnamsprozession zeigte sich das, in dem eben die Monstranz weiterhin vom Pfarrer getragen wurde. Als nun Franz von Sales Bischof wurde, war das eines der ersten Dinge, die er änderte. Ich bin der Bischof, meinte er, und auch wenn ich hier nur als Flüchtling im Exil lebe, so habe ich doch das Recht, bei der Fronleichnamsprozession die Monstranz zu tragen und er setzte sich kraft seiner bischöflichen Autorität durch.

Vielleicht schmunzeln wir heute darüber, dieses Verhalten des heiligen Franz von Sales zeigt uns allerdings eines: die heilige Eucharistie, der Leib Christi, ist nicht irgendetwas, mit dem man beliebig umgehen kann, im Gegenteil, es ist das Wertvollste, das wir haben: Jesus Christus mit Fleisch und Blut mitten unter uns gegenwärtig. Genau das wollte Franz von Sales der Bevölkerung signalisieren: das Wertvollste soll auch vom obersten Repräsentanten der Kirche getragen werden und das ist der Bischof.

Haben wir heute diese Ehrfurcht noch, die den heiligen Franz von Sales prägte? Wie gehen wir mit der Heiligen Kommunion um? Wie empfangen wir sie? Wie verhalten wir uns in einer Kirche, in der beim Tabernakel das Ewige Licht brennt und uns darauf aufmerksam macht, dass hier das Allerheiligste, also das Allerwertvollste aufbewahrt wird? Wie sehr lebt in mir der Wunsch, die Heilige Kommunion zu empfangen? Welche Gedanken begleiten mich, wenn ich zur Kommunion gehe und die Worte „Leib Christi“ höre? Was ist nach dem Kommunionempfang? Wie heiße ich Jesus Christus in mir willkommen? Was bewirken die Worte Jesu in mir, die wir im heutigen Evangelium hörten: „Ich bin das lebendige Brot … wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“

All das sind Fragen, die mir das Fronleichnamsfest stellt: Welchen Wert hat für mich der Leib Christi? Ist mir bewusst, dass ich durch den Kommunionempfang selbst zu einer Monstranz werde, zu einem Gefäß, dass Jesus Christus in sich trägt und hinaus in die Welt?

Es wäre schön, wenn uns das heutige Fronleichnamsfest dazu veranlasst, über all diese Fragen wieder einmal intensiver nachzudenken. Und das kann man als Erstkommunionkind genauso tun, wie als Seniorin oder Senior.

Das machte uns der Italiener Carlo Acutis vor, der erst letztes Jahr heilig gesprochen wurde. Er wurde nur 15 Jahre alt – seit seiner Erstkommunion beschäftigte er sich allerdings mit dem Wert der Eucharistie. Er sammelte Berichte über eucharistische Wunder aus der ganzen Welt, wollte damit diesem Geheimnis immer näherkommen und es begreifen. Der verstorbene Papst Franziskus sagte über ihn: „Carlo Acutis war in die Eucharistie verliebt. Sein Zeugnis zeigt den jungen Menschen von heute, dass man das wahre Glück dann findet, wenn man Gott an die erste Stelle setzt.“ Vielleicht erklärt eine Aussage von Carlo Acutis heute auf moderne Weise die Bedeutung des Fronleichnamsfestes so, dass wir alle es verstehen können. Er sagte nämlich: „Die Heilige Eucharistie ist meine Autobahn in den Himmel.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS