Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis (Mt 22,15-21)
Der Botschaft treu bleiben
Jemandem bewusst eine Falle stellen, um ihn geplant und vorsätzlich zu Fall zu bringen, das ist richtig gemein. Genau das hatte man mit Jesus vor. Umso mehr freuen wir uns wahrscheinlich beim Hören des heutigen Evangeliums, dass dieser hinterlistige Plan nicht aufgegangen ist und die Gegner Jesu als Heuchler entlarvt wurden. Am Anfang sagen sie ja nur sehr Positives, ja sie umschmeicheln Jesus: Du sagst doch immer die Wahrheit, du lehrst doch den Weg Gottes, also sag uns jetzt auch, wie das mit den Steuern ist. Das war eine klassische Fangfrage, die – egal wie man sie beantwortet – nur Probleme bereitet. Die Antwort Jesu aber, der alles durchschaut, ist geradezu genial und lässt seine Gegner verstummen.
Es wäre schön, wenn uns bei Diskussionen über den Glauben und die Kirche auch gleich immer so ein Geistesblitz einfallen würde, der die Kritiker, Spötter oder Gegner verstummen lässt. Aber so einfach ist das leider nicht – und auch Jesus hatte genug Auseinandersetzungen, die schließlich sogar dazu führten, dass er gekreuzigt wurde. Eines allerdings hat Jesus nie gemacht, nämlich seinen Gegnern nach dem Mund geredet, damit sie ihn in Ruhe lassen. Er ist zu seinen Überzeugungen gestanden – und damit ist er genau derjenige geblieben, womit ihn seine Gegner anfangs umschmeichelten: der, der immer die Wahrheit sagt und wahrhaftig den Weg Gottes lehrt ohne Rücksicht und Ansehen der Person. Jesus Chritus ist sich also treu geblieben.
Und ich glaube, das wird auch von der Kirche verlangt, also von uns Christinnen und Christen, dass wir Jesus und seiner Botschaft treu bleiben, egal wie vielen Fallen oder Fangfragen und kritischen Stimmen wir ausgesetzt sind.
Im heutigen Evangelium geht es um die Steuer. Und ein Thema, das immer wieder Kritik hervorruft, ist die so genannte Kirchensteuer bzw. der Kirchenbeitrag. Vielleicht sollten wir da wirklich viel mehr bekannt machen, dass das meiste, das die Kirche hier in Österreich oder in Deutschland an Gutem tut, ohne diesen Beitrag nicht möglich wäre: die caritativen Einrichtungen, Schulen und Bildungsstätten, die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen hängen vom Kirchenbeitrag ab – und natürlich auch die Erhaltung der Kulturgüter. Ein besonderes Beispiel wird ja am heutigen Sonntag beworben: der Weltmissionssonntag, die größte Solidaritätsaktion der ganzen Welt, die uns zeigt, dass sich keine andere Institution umfangreicher dafür einsetzt, um allen Menschen ein gerechtes und würdevolles Leben zu ermöglichen, als das Christentum. Nächstenliebe gehört eben wesentlich zu unserem Glaubensverständnis dazu. Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört – und Gott steht eindeutig auf der Seite der Armen und Machtlosen, das hat uns Jesus Christus unmissverständlich beigebracht – und die Kirche ist diesem Grundsatz trotz vieler Irrwege und Fehler, die sie begangen hat und begeht, immer treu geblieben, was uns nicht nur der Weltmissionssonntag, sondern die vielen caritativen Einsätze immer wieder bestätigen.
Lassen wir uns also dann, wenn Kritik kommt oder man uns sogar eine Falle stellen will, vom heiligen Franz von Sales Mut zusprechen, der einmal sagte: „Vertrauen wir auf Gott, der unser allmächtiger Vater ist; in seiner Kraft wird uns alles leicht werden, auch wenn es uns zuerst ein wenig erschreckt“ (DASal 12,330). Amen.
P. Herbert Winklehner OSFS


