Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis (Mt 22,1-10)
Königliches Hochzeitsmahl
Eine Hochzeit ist doch normalerweise etwas sehr Schönes. Ein Fest der Liebe und Freude und es ist eine Ehre, wenn man dazu eingeladen wird … außerdem gibt es ein Festessen und reichlich Gutes zu Trinken. All das verbindet man heute mit dem Begriff „Hochzeit“ – und so war es auch schon zur Zeit Jesu. Wenn das Ganze dann sogar eine königliche Hochzeit ist, dann galt das umso mehr. Auch daran hat sich bis heute nichts geändert: Wenn Königshäuser heiraten, berichten alle Medien davon und die Straßen füllen sich mit tausenden Schaulustigen, die kommen, um ein wenig von diesem Prunk und Glamour, der davon ausgeht zu erhaschen, auch wenn sie gar nicht eingeladen sind.
Jesus verwendet dieses Bild der königlichen Hochzeit, um für seine Botschaft vom Reich Gottes Werbung zu machen. Ich verkünde euch eine frohe Botschaft, eine Botschaft, die mit Liebe zu tun hat, mit Freude, mit Fülle, die auf euch wartet – genauso wie bei einem königlichen Hochzeitsmahl. Umso erstaunlicher ist da die Reaktion der Hochzeitsgäste: Sie wollen trotz mehrmaliger Einladung nicht kommen, haben alle möglichen Ausreden, ja es wird sogar noch dramatischer: die Eingeladenen beginnen sogar jene, die sie einladen, zu misshandeln und zu töten.
Spätestens jetzt – mit dieser Zuspitzung – wussten die Zuhörenden: Hier geht es nicht mehr bloß um einen König und dessen Hochzeit, hier geht es um Gott selbst – um den Glauben an ihn und um meine Gottesbeziehung, also darum, wie ich mich gegenüber der frohen Botschaft, die Jesus verkündet, verhalte: Ob ich Jesus und dem, was er sagt, zustimme, oder ob ich ihn ablehne.
Was Jesus mit seinem Vergleich ebenso deutlich macht: Gerade die, die es wissen müssten, also gerade die, die zu den ersten Eingeladenen gehören, gerade die lehnen ihn ab … Was tut der König? Er wird zunächst einmal unglaublich zornig. Danach aber lädt er alle ein, gute wie böse, und der Festsaal beginnt sich zu füllen.
Was will uns also Jesus mit dieser Geschichte deutlich machen? Das, was er verkündet, ist etwas Großartiges und Schönes. Es darf weder ignoriert, noch beschmutzt werden. Und das Zweite: Alle haben die Möglichkeit, an diesem wunderbaren Fest teilzunehmen. Eine jede und ein jeder, egal wie sein Leben bisher gelaufen ist, gut oder böse, ist eingeladen und darf kommen, wenn er das will.
Und das gilt immer noch. Wir glauben an ein königliches Hochzeitsfest, das uns erwartet, und wir glauben daran, dass die Tore zum Festsaal für alle offen stehen … die Einladung annehmen, das muss allerdings jeder und jede selbst tun.
Für den heiligen Franz von Sales war dieses königliche Hochzeitsmahl ganz selbstverständlich die Heilige Messe, die Feier der Eucharistie. Und er meinte: zwei Gruppen von Menschen sind ganz besonders eingeladen, an diesem Fest teilzunehmen: die Vollkommenen, denn das erfordert schon allein die Höflichkeit, dass man die Einladung annimmt. Und die Unvollkommenen, denn sie brauchen das Fest wie eine Medizin, die ihnen hilft, besser zu werden. „Was kann ich Ihnen mehr sagen,“ so meinte er einmal, „als dass Sie ganz freudig bei dieser himmlischen Aufgabe bleiben sollen, zu der uns Gott so oft und eindringlich eingeladen hat.“ Freuen wir uns also, dass auch wir zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sind. Amen.
P. Herbert Winklehner OSFS


