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Predigt zum 3. Fastensonntag (Joh 4,5-15.19b-26.39a.40-42)

Lebendiges Wasser

Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf dieser Erde. So jedenfalls habe ich das im Biologieunterricht einmal gelernt. Sämtliche biologischen Vorgänge laufen nur dank Wasser ab. Der Mensch nutzt Wasser zur Sicherung seines eigenen Überlebens und für seine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung. Wenn heute im Weltall nach anderen Lebensformen gesucht wird, dann sucht man daher vor allem nach Wasser. Menschen, die in trockenen Gegenden oder gar in der Wüste leben, wissen noch mehr, wie wertvoll jede Wasserstelle und jeder Brunnen ist, um zu überleben.

Jesus Christus bezeichnet sich im heutigen Evangelium vor der Samariterin am Jakobsbrunnen als das „Wasser des Lebens“. Er meint: „Wer von diesem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“

Als Mose Gott in der Wüste beim brennenden Dornbusch begegnete, fragte ihn Mose nach seinem Namen. Und Gott antwortet: „Ich bin der ich bin.“ Ein Name bezeichnet in der Bibel immer auch das Wesen einer Person. Gott bezeichnet sich also mit seinem Namen von seinem Wesen her als das Sein schlechthin: „Ich bin der ich bin.“ Jesus Christus erklärt diesen Namen Gottes mit seinem eigenen Wesen: „Ich bin das Wasser des Lebens“. Das bedeutet: In mir, liebe Frau am Jakobsbrunnen, siehst du Gott, die Grundlage allen Lebens. Ich bin derjenige, der dir das Leben in Fülle schenkt – und das nicht nur hier auf Erden, sondern in alle Ewigkeit.

Das Besondere dabei ist: Jesus sagt das zu einer Frau, die Samariterin ist. Die Samariter hatten sich von den Juden getrennt, nicht nur politisch, sondern auch religiös. Für Juden waren die Samariter also Abtrünnige und Häretiker, mit denen man nichts zu tun haben will, um nicht unrein zu werden. Jesus offenbart sich nun genau dieser Frau, die noch dazu einen sehr schlechten Lebenswandel führt, als das Wasser des Lebens und als den erwarteten Messias, den Retter der Welt. Und genau diese Frau trägt dazu bei, dass viele Samariterinnen und Samariter zum Glauben an Jesus kamen.

Das Evangelium, das wir heute gehört haben, macht uns also eine ganze Menge für das Verständnis unseres christlichen Glaubens deutlich:

Jesus Christus ist Gott, der die Grundlage allen Lebens ist. Wer ihm folgt, dem wird nicht nur das Leben hier auf Erden, sondern das Leben in Ewigkeit geschenkt. Die Worte Jesu erinnern uns auch an unsere Taufe, bei der uns eben genau dieses lebendige Wasser geschenkt wurde – und Jesus zeigt uns, dass jeder Mensch, ganz egal welcher Herkunft, welchen Glaubens und welcher Lebensweise auch immer, von Gott jederzeit eingeladen ist, dieses Wasser des Lebens zu trinken. Gott zwingt uns nicht dazu, er lädt uns ein. Für den heiligen Franz von Sales war klar, dass jeder Mensch, der diese Einladung Gottes annimmt und sein lebendiges Wasser trinkt, glücklich zu nennen ist. So sagte er in eine Predigt: „Glückselige Samariterin, du kamst, um vergängliches Wasser zu holen, und du hast das unvergängliche Wasser der Gnade des Erlösers gefunden. Glücklich … bist du, Samariterin, die du jetzt zum Wasser kommst und dort Unseren Herrn findest, der dich aus einer Sünderin, die du warst, zu seiner Tochter und zu seiner Braut macht“ (DASal 9,47).

Lassen wir uns vom heutigen Evangelium dazu motivieren, mit neuem Eifer Jesus und seiner frohen Botschaft zu folgen. Er ist das lebendige Wasser, die Grundlage unseres Lebens, nicht nur hier auf Erden, sondern für die Ewigkeit. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS