Predigt zum 6. Sonntag im Jahreskreis (Mt 5,17-37)

Die Orgel lacht

Bei den Worten Jesu aus seiner Bergpredigt kann einem das Lachen schon ordentlich vergehen. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist … ich aber sage euch!“ Jesus erinnert seine Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur an die unterschiedlichen Gebote und Gesetze, er verschärft sie radikal – und tut dies mit seiner eigenen Autorität und Vollmacht: „Ich aber sage euch …“.

Damit macht Jesus uns allen deutlich, dass wir vom göttlichen Ideal, also von dem, wie Gott sich das Leben und die Welt vorstellt, noch himmelweit entfernt sind. So weit, dass immer wieder einmal behauptet wird, Jesu Forderungen seien einfach unrealistisch. Der Blick auf das eigene Leben und auf das, was in der Welt um uns herum passiert, scheint das auch gnadenlos zu bestätigen.

Was also ist zu tun? Wir feiern ja heute auch den Faschingssonntag. Diese Zeit des Faschings gibt den Menschen die Möglichkeit, mit Hilfe des Humors gegen das Böse und Schlechte zu protestieren und sich Mut zu machen, dagegen anzukämpfen. Am Aschermittwoch werden dann die Masken abgelegt, um mit neuer Kraft zu beginnen, all dem gerecht zu werden, was Jesus Christus uns als sein Ideal genannt und vorgelebt hat.

Der heilige Franz von Sales war kein Freund der Faschingszeit, weil diese Zeit nur allzu oft für Ausschweifungen und Exzessen ausgenutzt wurde, so als ob in dieser Zeit alles erlaubt wäre, was sonst verboten ist. Er wusste allerdings sehr wohl um die Kraft des Humors, der Mut machen kann, seinen Weg trotz der Hindernisse und Rückschläge weiterzugehen. Ihm war klar, dass wir vom Ideal Jesu noch weit entfernt sind. Davon sollen wir uns allerdings nicht entmutigen lassen, sondern uns durchaus auch humorvoll zum Weitergehen anspornen. „Mein armes Herz,“ so empfiehlt er uns in seinem Buch Philothea, wenn wir wieder einmal etwas falsch gemacht haben, „Mein armes Herz, jetzt bist du wieder in die Grube gefallen, die wir zu meiden so entschlossen waren. Lass uns wieder aufstehen …! Rufen wir die Barmherzigkeit Gottes an, vertrauen wir auf sie; sie wird uns helfen, in Zukunft tapferer zu sein. Kehren wir wieder auf den Weg der Demut zurück. Mut! Seien wir von jetzt an recht auf der Hut; mit Gottes Hilfe wird es gehen“ (DASal 1,133).

Unser Organist bringt heute die Orgel zum Lachen und Josef Grünwidl, der Erzbischof von Wien, vergleicht die Kirche gerne mit Orgelpfeifen, sodass er diese auch in sein Bischofswappen aufgenommen hat. Da gibt es große Pfeifen und kleine Pfeifen, welche die vorne stehen, andere, die kaum sichtbar sind – aber alle diese Pfeifen zusammen sind notwendig, um aus der Vielfalt jenen harmonischen Klang zu erzeugen, den Kirche in der Welt verbreiten soll. Natürlich braucht es dazu den Wind des Heiligen Geistes und den göttlichen Organisten, der die Register zieht und über die Tasten wirbelt. Und genau darauf dürfen wir auch angesichts des heutigen Evangeliums vertrauen: Jesus Christus weiß, wie man die Orgelkirche bedienen muss. Seine Kompositionen fordern uns natürlich heraus, aber er weiß auch, was er uns zumuten kann. Auch der heilige Franz von Sales weiß: „Wir ähneln den Orgeln, wo in Wahrheit der alles macht, der das Gebläse bedient“ (DASal 7,244).

Die Worte Jesu in seiner Bergpredigt sind keine idealistischen Träumereien, sondern Ausdruck des Heiligen Geistes, der uns antreibt, weiterzugehen und es immer wieder zu probieren. Der kommende Aschermittwoch wäre dazu ein guter Neuanfang.

Oder wie Franz von Sales betet: „Alle Fähigkeiten in meinem Innern sind wie Orgelpfeifen. O mögen sie doch alle auf immer den Namen des Herrn preisen und sein Lob laut verkünden!“ (DASal 3,258). Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS