Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis (Lk 21,5-19)
Zeichen der Hoffnung schaffen
Im Blick auf diese Prophezeiungen Jesu aus dem heutigen Evangelium kann einem schon angst und bange werden. Was steht uns da bevor? Was kommt da auf uns zu? Zerstörung, Orientierungslosigkeit, Irreführung, Kriege und Unruhen, Volk gegen Volk, Reich gegen Reich, Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte, gewaltige Zeichen am Himmel, Verfolgung, Gefängnis, Hass und Tod.
Beim zweiten Durchlesen dieser endzeitlichen Gedanken Jesu kann man durchaus auf die Idee kommen: Jesus spricht von der heutigen Welt, in der all das, was hier angesprochen ist, tatsächlich geschieht. Die Nachrichten sind voll von Bildern der Zerstörung, Krieg, Hunger, Seuchen, Verfolgung, Hass – und von der Irreführung durch moderne Medien. Spricht da Jesus von unserer Zeit?
Beim dritten Lesen kann einem dann der Gedanke kommen: All das ist gar keine Prophezeiung, sondern der klare und ungeschminkte Blick Jesu auf die Wirklichkeit der Welt. Katastrophen, Krieg, Verfolgung gab es zu jeder Zeit, in allen Generationen, irgendwo auf der Welt.
Jesus muss es also um mehr gehen, als um den Hinweis auf das Grauen, das in dieser Welt geschehen kann und geschieht. Das erkennen wir an seiner letzten Aussage: „Wenn ihr an meinem Namen festhaltet, wird euch kein Haar gekrümmt werden, wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
Es geht also nicht um ein Katastrophenszenario, sondern um die Hoffnung, die Jesus all jenen schenkt, die sich an ihn halten und ihm folgen. Er möchte seinen Jüngerinnen und Jüngern Mut machen, dass all das Böse und Schlechte, das in dieser Welt geschieht und geschehen wird, nicht das letzte Wort haben. Lasst euch nicht in die Irre führen, haltet euch an mir fest und ihr werdet das Ziel erreichen, das Leben in Fülle, das Leben in Vollendung.
Der heilige Franz von Sales drückte das in einem Brief an einen verzweifelten Menschen einmal so aus: „Seien Sie ganz mutig, … Gott ist unser Alles. Er hält unser Führungsseil in den Labyrinthen und Irrwegen, welche die menschliche Weisheit in diesem sterblichen Leben bereitet. „Alles gereicht zum Wohle denen, die Gott lieben“ (Röm 8,28).“ (DASal 7,133).
Heute ist auch der Welttag der Armen. Die Zahlen, die uns die Caritas oder andere Hilfsorganisationen liefern, über die Armut in dieser Welt, meist menschlich verursacht durch Krieg und Terror, aber auch durch Seuchen und Naturkatastrophen, diese Zahlen sind wahrlich erschreckend. Aber auch da, oder gerade deshalb, will uns der heutige Sonntag Mut machen, eben nicht aufzuhören, gegen all dieses Elend anzukämpfen, sondern alles zu unternehmen, was in unseren Kräften steht, um zu helfen, wo und wie es nur geht, gemäß dem Schlusswort aus dem heutigen Evangelium: „Wer standhaft bleibt, gewinnt das Leben.“
Die heilige Elisabeth ist ein Paradebeispiel dafür. Sie hat trotz vieler Schwierigkeiten nicht aufgehört, gegen die Armut in ihrer Welt und zu ihrer Zeit anzukämpfen. Aufgrund ihrer Standhaftigkeit ist sie die Schutzpatronin der Caritas geworden. Um uns daran zu erinnern, wird heute in vielen Kirchen in Österreich Rosmarin-Salz verteilt mit den Worten: „Mach es wie Elisabeth: Sei das Salz der Erde.“
Das ist die Aufgabe, die sich Jesus von seinen Jüngerinnen und Jüngern wünscht: Salz der Erde zu sein – Hoffnung zu schenken, wie es auch Papst Leo in seiner Botschaft zum Welttag der Armen zum Ausdruck brachte: „Wir alle sind aufgerufen, neue Zeichen der Hoffnung zu schaffen, die von der christlichen Liebe zeugen, so wie es viele Heilige zu allen Zeiten getan haben.“ Amen.
P. Herbert Winklehner OSFS

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