Predigt zur Osternacht (Mt 28,1-10)

Fürchtet euch nicht!

Vor 15 Jahren, am 11. März 2011, um 14.46 Uhr ereignete sich in Japan das bisher stärkste Erdbeben seit Seismographen solche Beben aufzeichnen. Das Hauptbeben der Stärke 9,1 auf der nach oben offenen Richterskala dauerte fünf Minuten. Die Menschen erzählten später, sie dachten inmitten von Chaos und Lärm, dass es überhaupt nicht mehr aufhören wird und die Welt jetzt endgültig untergeht. Dieses Tohoku-Erdbeben löste einen Tsunami aus, der in der Folge zur Nuklearkatastrophe von Fukoshima führte, in der es in drei Reaktorblöcken zur Kernschmelze kam, ein Super-Gau mit katastrophalen Folgen bis heute …

„Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben“ … so hörten wir es gerade im Evangelium. Der Engel, der den Stein vom Grab wegwälzte, sah aus wie ein Blitz, sein Gewand weiß wie Schnee. Die Wächter erbebten und waren wie tot.

Die Menschen taten sich später schwer, das zu beschreiben, was in diesen Morgenstunden tatsächlich geschah. Vielleicht lassen uns die Schilderungen des Erdbebens von Japan vor 15 Jahren ein klein wenig erahnen, welch gewaltiges Ereignis sich damals abspielte, an das wir uns noch heute, nach 2000 Jahren, erinnern und das die Welt völlig veränderte.

Das Ereignis des Ostermorgens war jedoch keine Katastrophe mit tödlichem Ausgang für 100.000ende Menschen, sondern das genaue Gegenteil: Alles Tödliche und Lebensfeindliche wurde besiegt, jeder Hass, jede Gewalt, jeder Terror, jeder Krieg, jede Bosheit und Sünde.

Die Botschaft des heutigen Tages, auf die wir ganz genau hinhören sollten, ist nicht das gewaltige Erdbeben, auch nicht der grelle Blitz, sondern die Botschaft des Auferstehungsengels und die Botschaft des Auferstandenen Jesus Christus – sie ist eine leise Botschaft, aber trotzdem unendlich wichtig: „Fürchtet euch nicht!“

Wir haben derzeit viele Gründe Angst zu haben: Krieg, Gewalt und Extremismus nehmen zu, die Umwelt wird zerstört, die Armut wird immer größer. Das Osterfest jedoch lehrt uns: „Fürchtet euch nicht!“ Wir haben einen Gott an unserer Seite, der uns das Leben schenkt, das Leben in Vollendung.

Der heilige Franz von Sales beschreibt dieses Ereignis in einer Predigt mit folgenden Worten:

„Es ist, als wollte Jesus sagen: Was habt ihr? Ich sehe wohl, dass ihr ganz verschreckt und furchtsam seid; aber dazu habt ihr von jetzt an keinerlei Ursache mehr, denn ich habe den Frieden erworben, den ich euch schenke. … Seid nun nicht mehr feige und furchtsam, denn der Krieg ist beendet. Ihr hattet einigen Grund zur Furcht in den vergangenen Tagen, als ihr saht, dass ich gegeißelt wurde, … dass ich geschlagen wurde, mit Dornen gekrönt, zerschlagen vom Kopf bis zu den Füßen, ans Kreuz geschlagen; dass ich viel Schmach, Verlassenheit und Schimpf ertragen habe und dass die gegen mich verbündeten Feinde mich tausend Qualen erdulden ließen. Jetzt aber fürchtet euch nicht mehr; der Friede sei in euren Herzen. Ich bin ja Sieger geblieben und habe alle meine Feinde zu Boden geschlagen: Ich habe den Teufel überwunden, die Welt und das Fleisch. Habt keine Furcht, denn ich habe den Frieden hergestellt zwischen meinem himmlischen Vater und den Menschen“ (DASal 9,332).

Das ist die Osterbotschaft, auf die wir hören sollten und die uns zu allen Zeiten Mut machen will. Mit Jesus Christus hat alles Böse und Tödliche in unserer Welt keine Chance. Er ist unser Retter und Erlöser zu allen Zeiten. Daher: „Fürchtet euch nicht!“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS