Wandern und Besinnen

Am 27. Juli 2020 machten sich P. Thomas Vanek und Br. Hans Leidenmühler mit 8 Jugendlichen auf den Weg nach Hippach im Zillertal. Die drei Tage standen unter dem Motto „Wandern und Besinnen“.

Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis (Mt 14,13-21)

Das Wunder der Brotvermehrung

Diese Geschichte von den fünf Broten und zwei Fischen, die tausende Menschen satt machen – das Wunder der Brotvermehrung also – gehört sicher zu den bekannteren Stellen des Evangeliums.

Wenn ich die Bibel lese, so frage ich mich eigentlich dabei immer, was ich mir aus diesem Text für meinen Alltag mitnehmen kann. Was möchte Gott mir ganz persönlich hier und jetzt und heute sagen? Was spricht mich an? Was hilft mir leben?

Das Erste, das ich mir heute mitnehmen möchte, ist die Aussage: „Jesus hat Mitleid mit den vielen Menschen.“ Jesus sind die Menschen um ihn herum nicht egal. Er sieht ihre Not, ihre Wünsche und Hoffnungen, ihre Gebrechen und Unvollkommenheiten, und möchte für diese Menschen heilsam sein. Vor Jesus brauche ich also keine Angst zu haben, im Gegenteil, ich kann ihm voll und ganz vertrauen. Seine Gegenwart ist heilsam. Oder wie der heilige Franz von Sales einmal predigte: „Man muss große Ehrfurcht vor dem heiligen Namen unseres Herrn haben. Hat man Ärger, macht der Name Jesus wieder froh; in der Versuchung hilft er; ist man verwundet, er heilt. Es ist der Name unserer Zuversicht. Die Schatzkammer ist geöffnet“ (DASal 9,34).

Das Zweite, das ich mir heute mitnehme, ist das Wort Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Die Situation ist alles andere als optimal. Ein abgelegener Ort zu später Stunde und tausende, die hungern. Die Jünger Jesu wollen die Menschen wegschicken. Sie sind überfordert. Jesus scheint das überhaupt nicht zu beeindrucken: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Wie soll man das bloß machen?

Ich glaube, im Leben gibt es immer wieder solche Situationen, wo ich vor einem Berg von Problemen stehe und nicht weiß, was ich jetzt tun soll. Jesus macht mir deutlich: Fang einfach an. Nimm das, was du hast und was du kannst, und wenn es auch nur fünf Brote und zwei Fische sind. Fang an, den Rest übernehme ich. Weglaufen, das Problem wegschieben oder ignorieren ist verkehrt, das tun, was ich kann, und auf Gott vertrauen, das ist es, was uns Jesus empfiehlt. Schritt für Schritt, jeden Tag. Die Empfehlung des heiligen Franz von Sales in der „Philothea“ passt da gut dazu: „Gefällt es Gott, uns zur Vollkommenheit der Engel zu erheben, dann werden wir auch gute Engel sein. Vorläufig aber üben wir uns einfach, demütig und eifrig in den kleinen Tugenden, deren Erwerb der Herr unserer Sorge und unserem Eifer anvertraut hat“ (DASal 1,112).

Und das dritte, das ich mir mitnehme, ist der Überfluss. Die heilsame Wirkung Jesu ist unvorstellbar reich und überfließend. Die Kleinigkeit von fünf Broten und zwei Fischen macht nicht nur tausende Menschen satt, es bleiben sogar noch zwölf Körbe übrig. Wer auf Gott vertraut, wird im überfließenden Maße reich beschenkt, selbst dann, wenn der Mensch nur Kleinigkeiten anzubieten hat.

Franz von Sales meint: „Das Herz Gottes ist so überfließend reich an Liebe, das Gute in ihm ist derart unendlich, dass alle es besitzen können, ohne dass der einzelne dadurch weniger besitzt. Diese Unendlichkeit an Güte kann nicht ausgeschöpft werden“ (DASal 4,207).

Das also möchte ich heute von diesem „Wunder der Brotvermehrung“ in den Alltag mitnehmen: Ich bin Gott nicht egal, er schaut mich mit seinen barmherzigen Augen an. Er bittet mich, dass ich ihm vertraue und einfach das mache, was ich kann … und in diesem Vertrauen beschenkt er mich im überfließenden Maß. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis (Mt 13,44-46)

Schatz und Perle

Das eben gehörte Doppelgleichnis vom Schatz und von der Perle lädt uns dazu ein, einmal darüber nachzudenken, wer in meinem Leben mein Schatz und meine Perle ist.

Dieses Gleichnis wird sehr gerne als Hochzeitsevangelium genommen, manchmal mit dem Zusatz des Jesus-Wortes: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“. Und es gibt dazu auch ein entsprechendes Lied mit dem Titel „Das Beste“ von der Gruppe Silbermond, wo es heißt:

„Ich habe einen Schatz gefunden und er trägt deinen Namen. So wunderschön und wertvoll, mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.“

Und wenn dann der Refrain gesungen wird, dann kennt die Romantik gar keine Grenzen mehr und die Tränen des Glücks beginnen zu fließen:

„Du bist das Beste, was mir je passiert ist. Es tut so gut, wie du mich liebst. Vergess den Rest der Welt, wenn du bei mir bist. … Ich sag‘s dir viel zu selten: es ist schön, dass es dich gibt“.

Wir sind also heute eingeladen, darüber nachzudenken, wer oder was unsere Schätze und Perlen sind:

Sind es der Ehemann, die Ehefrau? Die Eltern? Vater, Mutter? Die Kinder? Die Familie? Freundinnen oder Freunde? Arbeitskolleginnen oder Kollegen?

Ist es meine Gesundheit? Mein Körper? Meine Seele? Meine Intelligenz? Meine Arbeitsstelle? Mein Hobby? Mein Urlaub?

Ist es mein Haus? Mein Besitz? Mein Auto? Mein Fernseher? Mein Computer?

Der Schatz und die Perle, von denen Jesus spricht, sind für ihn Symbole des Himmelreichs. Sie lenken also die Frage noch in eine weitere Richtung: Ist mein Schatz mein Glaube? Gott? Jesus Christus? Seine Botschaft? Das Gebet? Der Himmel, das Ewige Leben?

Wie kann ich herausfinden, ob etwas oder jemand mein Schatz und meine Perle ist? Eine recht gute Methode dafür ist die Uhr. Normalerweise verbringe ich nämlich jene Zeit, die mir frei zur Verfügung steht, am liebsten mit meinen Schätzen und Perlen.

Wofür habe ich also Zeit, wenn ich keine Zeit habe? – Die Antwort auf diese Frage trifft meistens haargenau meinen Schatz oder meine Perle … die mir so wertvoll ist, dass ich dafür alles verkaufen würde, damit ich diese haben kann.

Wofür habe ich Zeit, wofür nehme ich mir Zeit? Das bedeutet: Was ist mir wichtig? Wertvoll? Wesentlich?

Wenn der heilige Franz von Sales von Schätzen und Perlen schreibt, dann meint er damit fast ausschließlich göttliche Dinge, zum Beispiel die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und natürlich die Liebe. Darauf sollten wir ganz besonders Acht geben. So schreibt er in seiner „Abhandlung über die Gottesliebe“:

„Die Perlen werden nach der Meinung alter Naturforscher nicht nur im Tau geboren, sondern auch durch ihn genährt. Deshalb öffnet die Perlmutter ihre Schalen gegen den Himmel, gleichsam als wollte sie von dort Tautropfen erbetteln, die die Luft eines kühlen Morgens herabzuträufeln pflegt. So sollen auch wir, die wir von der göttlichen Güte Glaube, Hoffnung und Liebe empfangen haben, unsere Herzen dorthin wenden und geöffnet halten.“ (DASal 3,165) Und in einem Brief schreibt er über die „göttliche Liebe“: „Das kleinste Körnchen dieses Schatzes [der göttlichen Liebe] gilt mehr als alles auf der Welt.“ (DASal 6,211)

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz im Acker und einer sehr wertvollen Perle – sagt Jesus. Heute an diesem Sonntag könnten wir einmal über all das nachdenken, und vielleicht kommen wir dann drauf, dass manche unserer Schätze zu viel Zeit in Anspruch nehmen, und wir manche Perlen etwas vernachlässigt haben. Und dann könnten wir ja einmal damit beginnen, unser Zeitbudget etwas umzuschichten – und vor allem könnten wir wieder einmal die Chance ergreifen, unseren Schätzen und Perlen zu sagen: Es ist schön, dass es dich gibt. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 16. Sonntag im Jahreskreis (Mt 13,24-30)

Unkraut und Weizen

In den Nachrichten kann man immer wieder einmal über die Themen Unkraut und Unkrautvernichtung und die Schädigung der Natur lesen. Nur ein Beispiel: „In den meisten Ländern der Welt wird der Unkrautvernichter Dicamba seit vielen Jahren auf den Feldern versprüht. Zwei US-Bundesstaaten haben das aggressive Herbizid jetzt allerdings verboten, denn neben dem lästigen Unkraut vernichtet es oft auch die Nutzpflanzen auf den Nachbarfeldern.“

Das Gleichnis des heutigen Evangeliums vom Unkraut und dem Weizen scheint also auch aus ökologischer Sicht hochaktuell zu sein. Aber natürlich geht es in diesem Gleichnis nicht um den Umweltschutz, sondern um das Himmelreich … bzw. um unseren Weg dorthin. Und da macht Jesus mit dem Bild vom Unkraut und vom Weizen deutlich, was unserer ganz normalen alltäglichen Lebenserfahrung entspricht: Wir Menschen sind eben nicht vollkommen. In allen Bereichen des Lebens gibt es Gelungenes und Misslungenes, Gutes und Böses, also den Weizen und das Unkraut.

Es ist allerdings gar nicht immer so klar und eindeutig zu unterscheiden, was gut und was böse ist. Und deshalb kommt auch die überraschende Aussage des Gutsherrn an seine Arbeiter: „Lasst beides wachsen … andernfalls reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Habt also Geduld. Die Zeit der Ernte wird kommen, und dann entscheide ich, was Unkraut ist und was Weizen, was gut ist und was böse.“

Was können wir also aus diesem Gleichnis Jesu lernen?

Der heilige Franz von Sales sagte in diesem Zusammenhang einmal: „Wir müssen zwei gleich feste Vorsätze fassen: (Erstens:) Nicht unruhig werden, wenn wir das Unkraut in unserem Garten wuchern sehen, (und zweitens:) zugleich aber den Mut haben, es ausreißen zu wollen“ (DASal 2,137).

Widerspricht er damit nicht den Aussagen Jesu? Nein, denn es gibt einen Unterschied: Franz von Sales spricht vom Bösen, dass sich ganz klar vom Guten unterscheidet … und wenn ich das erkannt habe, dann muss ich auch den Mut haben, etwas dagegen zu unternehmen.

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen diese Unterscheidung nicht klar ist und genau von solchen Situationen erzählt auch unser Gleichnis … und hier sollen wir eben nicht unruhig werden, sondern darauf vertrauen, dass Gott selbst das Böse vernichten, und das Gute bewahren wird.

An einer anderen Stelle meint Franz von Sales: „Wir dürfen von uns nicht mehr verlangen, als in uns ist.“ (DASal 6,332) Das heißt: Wir haben Stärken, aber genauso auch Schwächen. Manchmal ist das gar nicht so einfach zu unterscheiden, was Stärke und was Schwäche ist – und da darf man dann eben ruhig darauf vertrauen, dass Gott das Unvollkommene, das in uns ist, auch vollenden wird. Jedenfalls ist es nicht notwendig, dass wir uns überfordern und mehr von uns verlangen, als wir können. Das, was wir tun können, das sollten wir allerdings auch wirklich tun.

Es gibt ein wunderschönes Gebet, das auch immer wieder sehr gerne gebetet wird, und uns gerade in diesem Zusammenhang unserer Stärken und Schwächen, von Unkraut und Weizen gut weiterhelfen kann. Es stammt vom amerikanischen Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr und lautet:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis (Mt 13, 1-23)

Gott  gibt den Erfolg

ja, es stimmt, manchmal kann das Leben schon richtig frustrierend sein. Man bemüht sich redlich, ist voller Elan, hat große Erwartungen … aber der Erfolg stellt sich einfach nicht ein.

Da geht es uns so ein bisschen wie dem Sämann aus dem Gleichnis, das Jesus Christus im heutigen Evangelium erzählt. Er geht aufs Feld, um zu säen, ein Teil der Saat wird gleich von den Vögeln gefressen, ein anderer Teil von der Sonne versengt, und ein weiterer Teil landet in den Dornen und wird erstickt. 75% der Saat gehen also verloren, und bei den restlichen 25%, die auf guten Boden fallen, ist der Erfolg auch geteilt: dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

„Wer Ohren hat, der höre!“ sagt Jesus am Schluss … was möchte er uns damit sagen, was sollen wir daraus hören?

Vielleicht kann uns das ein Beispiel aus dem Leben des heiligen Franz von Sales deutlich machen. Er war frisch geweihter Priester, voller Energie und Elan und hatte nur ein Ziel: jenen Teil seiner Diözese, der zu den Calvinern übergelaufen war, wieder zur Katholischen Kirche zurückzubringen. Er bemühte sich redlich. Durch Predigten, durch Gespräche, durch sein persönliches Beispiel. Er setzte bei seinem Engagement ein paar Mal sogar sein Leben aufs Spiel. Und jetzt hören wir einmal, was er nach einigen Monaten seines intensiven missionarischen Bemühens als Fazit aufgeschrieben hat:

„Es ist nun schon der siebente Monat, seit ich hierher kam. Obwohl ich an allen Sonn- und Feiertagen und oft auch während der Woche gepredigt habe, haben mich von den Calvinern nur drei oder vier angehört, die vier- oder fünfmal zur Predigt kamen … Ich versäume … keine Gelegenheit, an sie heranzukommen, aber die einen wollen mich nicht anhören, andere entschuldigen sich … es ist unmöglich, sie zum Bekenntnis des Glaubens zu bringen… Übrigens bin ich gut genug, den Mauern zu predigen, wie ich es in dieser Stadt mache …“ (DASal 8,18).

Das muss für Franz von Sales wirklich ziemlich enttäuschend gewesen sein. Sieben Monate lange strengt er sich an und trotzdem kommt er zum Schluss: „Ich predige hier gegen Mauern“. Was Franz von Sales trotz dieser frustrierenden Erfahrung jedoch ebenso auszeichnete, das war sein Durchhaltevermögen und vor allem sein Vertrauen darauf, dass irgendwann die Saat auch auf fruchtbaren Boden fallen wird. Franz von Sales gab also nicht auf. Er streute seine Saat weiter aus … und schließlich nach vier Jahren geduldigen Säens kam dann tatsächlich der Erfolg: dreißigfach, sechzigfach, hundertfach.

Beharrlichkeit, Ausdauer und Geduld wurden zu seinem Markenzeichen auch in seinem späteren Wirken als Bischof – und vor allem sein Vertrauen darauf, dass Gott das Bemühen segnen wird, so wie es ihm gefällt.

„Du magst wohl die Pflanzen begießen“, so war Franz von Sales überzeugt, „es wird dir aber nichts nützen, wenn Gott nicht deiner Arbeit seinen Segen gibt. … Unsere Pflicht ist es freilich, gut zu arbeiten, der Erfolg unserer Arbeit aber steht bei Gott“ (DASal 2,101).

Das Gleichnis vom Sämann möge uns daran erinnern und uns zur Beharrlichkeit, Geduld und Ausdauer ermutigen. Wir sind vor allem für das Säen und Begießen zuständig. Der Erfolg unserer Arbeit aber wird von Gott entschieden.

Ein Gebet des heiligen Franz von Sales bringt das übrigens sehr schön zum Ausdruck:

„Durch Dich, o Herr, arbeiten wir und so arbeiten wir für Dich. Du segnest unser heißes Bemühen, Du gibst den Erfolg.“ (DASal 2,104). Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis (Mt 11,25-30)

Wie die Kinder …

„Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde“, betet Jesus, „weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen aber offenbart hast.“ Für die Weisen und Klugen ist dieser Satz eigentlich ein ordentlicher Seitenhieb. Eure Klugheit nützt euch nichts! Durch das Wissen, das ihr euch im Laufe der Zeit angehäuft habt, habt ihr keinen Gewinn. Werdet lieber wie die Kinder, die Unmündigen, denn ihnen zeigt sich Gott, wie er ist.

Ich lese immer wieder gerne in Büchern mit Gebeten und Briefen, die Kinder an Gott richten. Es ist wirklich erstaunlich, welcher Glaube hier aus dem Mund von Kindern zum Vorschein kommt – einfach und gut.

Eine Martha betet da zum Beispiel: „Lieber Gott, ich danke dir, dass meine Mama so gute Spagetti macht und ich danke dir, dass mein Bruder keine Spagetti isst,“ denn, so die Logik von Martha, „ich bin Martha, die ohne Spagetti nicht leben kann.“

Oder Alexander schreibt an Gott: „Hallo, lieber Gott. Bitte lass mich Hundert werden! Bitte mach mich nicht arm! Lass meine Mutti lange leben! Bitte beschütze mich. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. Bussi, Bussi – Alexander!“

Und Michael hat in seinem Gebet an Gott eine ganz wichtige Frage: „Lieber Gott, ich würde gerne wissen, was du den ganzen Tag machst!“

Andere Kinder stellen an Gott andere Fragen: „Lieber Gott, warum bist du so gescheit?“ Oder: „Warum glauben andere Menschen nicht an dich?“ Oder: „Warum trennen sich die Menschen von einander nur wegen einer Kleinigkeit, obwohl sie ein schönes Leben haben könnten? Warum haben die Menschen Schimpfwörter erfunden? Warum können Menschen so grausam sein?“ Oder eine wichtige Frage von Udo: „Lieber Gott, ich bin in Religion der Beste – Freut dich das?“

Und schließlich eine Liebeserklärung an Gott von der Claudia: „Lieber Gott, wenn du mich gernhast, schreib ich dir jedes Mal. Gott, ich sag dir jetzt was: Ich hab dich sehr gern. Ich will dir Blumen schenken. Lieber Gott, ich schrieb dir wieder einen Brief. Deine Claudia!“

„Ich preise dich, Herr, des Himmels und der Erde, weil du all das … den Unmündigen offenbart hast.“ Diese Kindergebete machen deutlich, dass Glaube nicht kompliziert, sondern ganz einfach ist. Ich muss nur das Herz sprechen lassen und nicht über jedes Wort, das ich an Gott richte, nachgrübeln, ob das jetzt so geht, ob man das sagen kann, ob das auch richtig ist.

Für den heiligen Franz von Sales, der sehr oft die Gottesbeziehung mit der Beziehung eines Kindes mit der Mutter oder dem Vater vergleicht, hätte seine helle Freude daran, wenn er Kinder so beten hörte. „Jene“, so sagte er einmal in einer Predigt, „die im Gebet vollkommen sind, [verhalten sich] Gott gegenüber wie Kinder gegen den Vater, dem sie volles Vertrauen schenken.“ (DASal 4,329)

Darum geht es: Gott volles vertrauen schenken. Nicht so sehr darauf achten, was könnte jetzt wieder falsch sein, sondern einfach das Herz sprechen lassen.

In der Philothea schreibt er: „Stütze dich … völlig auf die Vorsehung Gottes; … wenn du dein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt hast, wirst du den besten Erfolg haben… Mache es wie die kleinen Kinder: Mit der einen Hand halten sie sich am Vater fest, mit der anderen pflücken sie Erdbeeren und Brombeeren am Wegrain.“ (DASal 1,135)

Wer das kann, wer sich dieses Kindsein vor Gott bewahrt, der wird dann auch das erleben, was Jesus uns heute im Evangelium ebenso mitgeteilt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ Wer – wie ein Kind – mit seinem Herzen bei Gott sein kann, der wird bei Gott Ruhe finden für die Seele. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS