Predigt zum Requiem P. Peter Lüftenegger (2 Tim 4, 6-8.17-18; Joh 21, 1.15-19)

Im Spannungsfeld der Apostel Petrus und Paulus

Wir feiern heute also am Namens- und Weihetag unseres lieben verstorbenen Mitbruders P. Peter Lüftenegger sein Requiem nach, weil wir das wegen covid-19 am Tag seines Begräbnisses nicht tun konnten. Und ich denke, dieser Festtag passt auch für unseren P. Peter, weil er uns Anlass gibt, sein Leben im Licht seines Namenspatrons ein wenig zu reflektieren und die vielen Erinnerungen an ihn dankbar mithineinzunehmen in diesen Gottesdienst, der uns ja im Glauben an die Auferstehung stärken soll. Diesen Glauben haben wir besonders den beiden Apostelfürsten, die wir heute feiern, zu verdanken. Sie waren es, die unermüdlich das Evangelium verkündeten und die Auferstehung von den Toten bezeugten, beide aber auf eine Art, wie es unterschiedlicher nicht sein konnte. Die Kirche stellt diese beiden Apostel und Missionare deshalb an ein und demselben Tag auf ihren Heiligenkalender, weil sie damit ausdrücken will, dass sie eben beide Wege des Dienstes am Evangelium braucht: den Weg des Hirte-Seines, der Stabilität, den Weg der festen Lehre und Klarheit – für sie steht Petrus, der Fels (die Stabilität) der Urgemeinde in Jerusalem – und den Weg des Hinausgehens, der Bewegung hin zu den Menschen, wo immer sie leben, lieben und leiden, die Missio ad gentes – die Kommen zu den Menschen. Für diesen Weg steht Paulus, der Völkermissionar, der unterwegs war und unermüdlich versuchte, immer noch mehr Menschen für Jesus Christus und sein Evangelium zu gewinnen. Man kann auch sagen: Petrus gleicht im Vorwärtsbewegen der pilgernden Kirche dem Standbein, Paulus dem Schwungbein.

Vielleicht sollten wir den wertschätzenden Rückblick auf das Leben unseres P. Peter im Spannungsfeld beider Apostel versuchen. Also, wo war der Petrus im Leben und Wirken von P. Peter sichtbar, wo der Paulus? Und ich denke, da fällt jeder/m von uns etwas aus unseren Begegnungen mit P. Peter ein, das wir entweder dem Petrus oder aber dem Paulus in ihm zuschreiben können. Allein schon in seiner Berufungsgeschichte, in seiner Suche nach dem richtigen Weg für sich, lässt sich ein ganz klarer Bezug zur Suche und Berufung des hl. Paulus erkennen. P. Peter war offensichtlich in seiner Jugend begeisterungsfähig und auch schnell für eine Idee, vielleicht sogar auch für eine Ideologie zu gewinnen. Er selbst hat das immer wieder erzählt. Bis er in seiner Suche nach dem Lebensinhalt mehr und mehr durch viele Begegnungen mit beeindruckenden Menschen auf den Kern seiner Berufung zum Salesoblaten und Priester gestoßen ist. Auch der hl. Paulus hatte viele Begegnungen mit großartigen Christen gebraucht, um seinen Weg zu finden – davon berichtet ja die Apostelgeschichte. Als P. Peter dann Klarheit über seinen Weg hatte, dann waren seiner Predigt und seinen Schriften keine Grenzen mehr gesetzt. Es ist enorm, wie viel P. Peter geschrieben hat, es ist auch enorm, wie viel P. Peter gepredigt hat – und das alles auf seine unvergleichliche Art, authentisch und enthusiastisch, charismatisch und für manche auch manchmal ein bisschen zu intensiv. Aber unser P. Peter konnte auch mit der Kritik über seine Art durchaus positiv umgehen. Dazu half ihm seine unwiderstehliche Liebenswürdigkeit und sein Humor. Allein mit seinem Lachen gewann er die Menschen, auch die, die ihm in so mancher Hinsicht – theologisch und darüber hinaus – nicht folgen konnten oder wollten. Viele Geschichten fallen mir und sicher auch vielen von uns ein, wie er mit einem gewissen Witz und auch einer gewissen Schläue es immer wieder geschafft hat, die Leute zu begeistern und selbst seine Kritiker zu beschwichtigen. Es war der Petrus in ihm, der in ihm seine klare Position zum Lehramt der Kirche immer kräftiger hat wachsen lassen, und seine Liebe zum Herzen Jesu, von dem er sich bedingungslos geliebt wusste. Das war sein tiefster Glaube. Ihn hat er wohl auch in seinem Buch „Ewiges Herz“ und in seinen unzähligen Artikeln der Zeitschrift „Licht“ bekannt. In der salesianischen Herzensspiritualität fand P. Peter das Tor zur sich ganz verströmenden Liebe Jesu. Das hatte offensichtlich die Therese von Konnersreuth in ihrer Begegnung mit Peter sofort erkannt, dass Franz von Sales es ist, der den suchenden Ordens- und Priesterkandidaten die beste spirituelle Wegzehrung bieten kann. Jesus fragt Petrus dreimal „Liebst du mich?“. Dreimal hatte Petrus seinen Herrn und Meister verleugnet, dreimal bekennt er dem Auferstandenen aus ganzem Herzen „Du weißt, dass ich dich liebhabe!“ Diese Beteuerung seiner Liebe wird schließlich zum Fundament für den Auftrag, den Jesus ihm gibt: „Weide meine Schafe!“

Peter war ein sportlicher Missionar. Damit meine ich nicht nur seine Leidenschaft für das Schifahren und für sportliches Autofahren, nein, ich denke bei „sportlich“ an seine Flexibilität. P. Peter war kurz und schnell entschlossen, er war innerlich jung und dynamisch – auch noch im hohen Alter. Natürlich brauchte er aus diesem Grund auch seine Freiheiten, und trotzdem brauchte er für sich nicht viel. Es waren die Beziehungen zu den Menschen, die ihn jung hielten und für die er immer offen war – wohl auch ein paulinisches Merkmal an ihm.

Über 95 bewegte Jahre könnte man noch lange fortfahren. Entscheidend aber ist, dass wir P. Peter in unseren Herzen bewahren und ihn dankbar Gott und seiner großen Barmherzigkeit anvertrauen. Gott weiß es wohl am besten, was und wie P. Peter am Wachsen des himmlischen Reiches in unserer Welt beigetragen hat, und er möge das Gute, das er durch ihn begonnen hat, jetzt zur Vollendung führen. „Er hat den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. … Der Herr wird ihn allem Bösen entreißen, er wird ihn retten und in sein himmlisches Reich führen. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen“

P. Provinzial Thomas Vanek OSFS (Wien X, Kirche Franz von Sales, 29.09.2020)

Requiem für Pater Peter Lüftenegger OSFS

Am Montag, den 29. Juni 2020, feierten die Sales-Oblaten in der Kirche Franz von Sales, Holeyplatz 1, 1100 Wien, das Requiem für ihren Mitbruder Pater Peter Lüftenegger OSFS (1925-2010).

Neues aus der Schweiz

P. Johannes Föhn OSFS ist nun für seinen nächsten Lebensabschnitt in den Steinhof in Luzern gezogen. P. Joseph Huber OSFS wird die Fenkernstraße im August verlassen und in Kriens in eine geeignetere Wohnung ziehen.

Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis (Mt 10,37-42)

Wenn es zu Schwierigkeiten kommt …

um diese Jesus-Worte aus dem Abschnitt des Matthäus-Evangeliums, die wir gerade gehört haben, etwas besser zu verstehen, muss man als Erstes beachten, dass Jesus hier nicht zum ganzen Volk, sondern nur zu seinen Aposteln redet, also zu seinem engsten Mitarbeiterkreis.

Außerdem muss man sich bewusst machen, dass sich Jesus Christus zu diesem Zeitpunkt bereits sehr deutlich klar ist, dass seine Botschaft auf große Widerstände stößt, die Verfolgung und Tod bedeuten können.

In dieser Situation bringt Jesus nun seinem engsten Jüngerkreis Folgendes bei: Wer sich auf mich einlässt, wer mir nachfolgt, der muss mit sehr schwierigen Konsequenzen rechnen. Es kann sein, dass er sich gegen seine eigenen Eltern entscheiden muss, weil diese den Weg Jesu ablehnen. Gleiches gilt für die eigenen Kinder. Und es kann sein, dass ich für meine Entscheidung, Jünger Jesu zu sein, gekreuzigt und getötet werde.

Jesus verspricht allerdings allen, die sich trotz dieser Schwierigkeiten für ihn entscheiden, dass sie das Leben nicht verlieren, sondern finden werden. Und er verspricht allen, die seine Jüngerinnen und Jünger aufnehmen und ihnen Gutes tun, und sei es nur einen Becher frischen Wassers, dafür belohnt werden.

Das war die Situation, in der sich das Jesus-Projekt befand. Der erste große Erfolg, den Jesus mit seinen spektakulären Wundern erzielte und Massen an Menschen anzog und zu Begeisterungsstürmen hinriss, war verebbt. Die kritischen Stimmen wurden immer lauter und selbst seine Apostel fragten sich: Wohin wir das alles führen? Worauf haben wir uns da nur eingelassen?

Jesus versucht jetzt nicht, diese Situation zu verharmlosen und die Apostel zu beruhigen. Er sagt ihnen klar und deutlich, was auf dem Spiel steht.

Sich zu Jesus Christus zu bekennen, kann also auch unangenehme Folgen haben. Christentum ist weder eine Kuschelgruppe noch eine Wohlfühl-Religion, in der alles immer nur lieb und nett ist. Wer sich zu Christus bekennt, der kann dadurch eben auch das Kreuz erfahren: Kritik, Spott, Hohn, Ablehnung, Martyrium.

Jesus macht klar: Es wird im Leben eines jeden Christen der Moment kommen, in dem er sich die Frage stellen muss: Was ist mir Jesus Christus wirklich wert? Was bin ich bereit, für ihn aufzugeben oder auf mich zu nehmen?

Was ist, wenn mir der christliche Glaube keine Vorteile mehr bringt? Wenn es nicht mehr nur schön und angenehm ist, den Glauben zu leben? Wenn die Kritik an der Kirche nicht mehr abreißt, die Kirchenaustritte immer mehr, die Kirchen immer leerer werden? Wie gehe ich mit all dem um?

„Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren, wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“

Bin ich bereit, diese Jesus-Worte anzunehmen?

Der Apostel Paulus, der einige Jahre später schon einige dieser Konsequenzen am eigenen Leib erleiden musste, erinnert die Gemeinde in Rom ebenso an den Ernst der Christusnachfolge: „Wir, die wir auch Christus Jesus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft“. Er fügt aber ganz im Sinne Jesu hinzu: „Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“

Damit das Ganze jetzt nicht zu dramatisch wird, noch ein Hinweis des heiligen Franz von Sales, der ja in einer sehr schwierigen Phase der Kirche lebte, zu keinem Zeitpunkt aber den Mut und die Hoffnung verlor. In der Gewissheit, Gott an seiner Seite zu wissen, konnte er schreiben: „Gott macht alles richtig und ordnet alle Dinge zum Besten“ (DASal 5,158). Und er lädt dazu ein, dass wir immer wieder beten: „Herr Jesus, dein Wille geschehe, vorbehaltlos, ohne Wenn, ohne Aber, ausnahmslos und schrankenlos.“ (DASal 5,159) Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 12. Sonntag im Jahreskreis (Mt 10,26-33)

Gottvertrauen und Zuversicht

„Mit Gott geht das Leben nie zugrunde!“ – Diese Aussage stammt leider nicht vom heiligen Franz von Sales, sondern von Papst Franziskus. Er sagte diesen Satz Ende März dieses Jahres auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom, mitten in der Corona-Krise.

Diese Aussage könnte man auch als Überschrift über die Stelle des eben gehörten Evangeliums verwenden: „Mit Gott geht das Leben nie zugrunde!“ Jesus sagt ja hier zu seinen Aposteln:

„Fürchtet euch nicht vor den Menschen.“

„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten.“

„Kein Spatz fällt von der Erde ohne den Willen des Vaters! Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf gezählt – Fürchtet euch also nicht.“

Dreimal also: „Fürchtet euch nicht!“ Dreimal das Versprechen Jesu: Gott ist auf eurer Seite, vertraut ihm, fürchtet euch nicht, egal, was auch passiert.

Im Hirtenwort der österreichischen Bischöfe zum diesjährigen Pfingstfest wird dieses Gottvertrauen, dieser Optimismus und diese Zuversicht ebenso zum Ausdruck gebracht und unterstrichen. Die österreichischen Bischöfe schreiben wörtlich:

„Christlicher Glaube wischt keine Probleme weg, verleiht aber eine unerwartete Trotzdem-Kraft in aller Not und gibt den langen Atem sowie Ausdauer für den vor uns liegenden Weg. Glaube stärkt Freiheit und Herzenskraft. Wer glaubt, lebt von Gottes Zusage, immer neu beginnen zu dürfen und die dafür notwendigen Anschubhilfen des Heiligen Geistes zu erhalten. Das Herzstück des Glaubens, die tragende Mitte, ist eine lebendige Beziehung zu Gott, der sich durch den pfingstlichen Geist in unserem Alltag erfahrbar macht.“

Also noch einmal, damit wir es uns merken: Christlicher Glaube verleiht eine Trotzdem-Kraft in aller Not. Christlicher Glaube schenkt einen langen Atem und Ausdauer. Christlicher Glaube stärkt die Freiheit und die Herzenskraft. Und das Herzstück dieses Glaubens, also das Wichtigste, die tragende Mitte ist eine lebendige Gottesbeziehung.

Von dieser Trotzdem-Kraft des Glaubens war auch der heilige Franz von Sales überzeugt. Daher sprechen wir heute auch vom „salesianischen Optimismus“ oder besser vom „salesianischen Gottvertrauen“. Sein ganzes Leben lang hat Franz von Sales versucht, den Menschen genau diese Trotzdem-Kraft des Glaubens zu lehren: „Ja, Gott verlangt von uns schon ein ganz großes Vertrauen auf sein väterliches Sorgen, auf seine göttliche Fürsorge. Aber warum sollten wir ihm nicht vertrauen, da er noch keinen getäuscht? Es hat noch keiner sein Vertrauen auf Gott gesetzt, ohne reiche Frucht dieses Gottvertrauens zu empfangen.“ (DASal 2,87).

„Fürchtet euch nicht!“ – „Mit Gott geht das Leben nie zugrunde!“ Nehmen wir uns diese Gedanken heute mit in den Alltag. Und noch etwas sollten wir dabei nicht vergessen: Wie der Papst, wie die österreichischen Bischöfe so war auch Franz von Sales davon überzeugt, dass es für dieses Vertrauen, diesen Optimismus und diese Zuversicht eine lebendige Gottesbeziehung braucht. Auch daran sollten wir täglich arbeiten: am Morgen, unter Tags, am Abend. Gott ist ein Du – mit ihm kann und soll ich immer und überall kommunizieren. Wir leben in seiner Gegenwart. „Gott ist ja in allem und überall; es gibt keinen Ort und kein Ding, wo er nicht wirklich gegenwärtig wäre“ (DASal 1,73). Fürchtet euch also nicht! Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 11. Sonntag im Jahreskreis (Mt 9,36-10,8)

Es gibt viel zu tun

Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an … wir schaffen das! Solche Situationen gab es offenbar auch schon zur Zeit Jesu. „Er sah die vielen Menschen – sie waren müde und erschöpft. Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.“

Jesus packt an, er wählt zwölf Jünger und beauftragt sie, zu den Menschen zu gehen und ihnen das Reich Gottes zu verkünden, in dem sie Kranke heilen, Tote aufwecken, Aussätzige rein machen und Dämonen austreiben.

Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an … wir schaffen das. So könnte man auch heute sagen. Die Herausforderungen der Welt sind fast unüberschaubar: Krieg und Terror, Rassismus, Flüchtlingsdramen, Umweltvernichtung, Klimaerwärmung, Missbrauchs- und Korruptionsskandale, Arbeitslosigkeit und nun auch noch alles verschärft durch die Corona-Pandemie. Dazu der schleichende Verfall grundlegender demokratischer Werte und Menschenrechte, Streit und Konflikte im privaten Haushalt genauso wie auf der politischen Weltbühne. Verbale Entgleisungen, Lügen und abstruse Verschwörungstheorien, Lust nach der absoluten Macht und Geldgier – und immer auf Kosten der Schwächeren.

Bei all den Horrormeldungen, die täglich die Nachrichten beherrschen, gehen natürlich die kirchlichen Stimmen regelmäßig unter. Auch da wird viel lieber von den Skandalen berichtet, die von kirchlichen Amtsträgern verursacht werden, als von den vielen Bemühungen, sich um das Wohl der Menschen in der gesamten Welt – und für das Wohl der Schöpfung einzusetzen.

Papst Franziskus tut das praktisch ständig. Er hat diesen Jesus-Blick, den uns das heutige Evangelium beschreibt. Er sieht die vielen Probleme und hat Mitleid und er ruft dazu auf: Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an.

Die österreichischen Bischöfe haben dies mit ihrem diesjährigen Hirtenwort zum Pfingstfest ebenso getan. Es ist leider weitgehend untergegangen, wohl auch deshalb, weil es zu sanft formuliert war. Ich möchte sogar sagen: viel zu salesianisch, also viel zu liebevoll und unspektakulär. Umso mehr ist es unsere christliche Aufgabe, unermüdlich jene guten Botschaften unters Volk zu bringen, die das Himmelreich verkünden.

Die österreichischen Bischöfe schreiben von der „erneuerten Normalität“. Es ist ihr Plan, wie es jetzt – angesichts der Erfahrungen der letzten Monate und angesichts der großen Herausforderungen, denen die Welt gegenübersteht – weitergehen soll. Sie schreiben dabei von Dankbarkeit und Demut, von Versöhnung und Verbundenheit, Aufmerksamkeit und Solidarität, Wertschätzung und Lernbereitschaft, Achtsamkeit und Entschlossenheit, Lebensfreude und Geduld und schließlich von Vertrauen und Zuversicht. Sie empfinden diese „kleinen Tugenden“, wie sie der heilige Franz von Sales nennen würde, als die geeigneten Mittel, die unsere Welt gerade jetzt notwendig braucht. Damit können wir Kranke heilen, Tote aufwecken, Aussätzige rein machen und Dämonen austreiben. Sie sind uns geschenkt, als Gaben des Heiligen Geistes, und wir sollen sie ebenso als Geschenke reichlich weitergeben.

Oder wie der heilige Franz von Sales formuliert: Um anständige und fromme Menschen zu werden „üben wir uns einfach, demütig und eifrig in den kleinen Tugenden, … in Geduld, … Demut …, in der Liebe zum Nächsten, im Ertragen unserer Fehler, in der Sorgfalt und im heiligen Eifer“ (DASal 1,112).

Und das jeden Tag von neuem. Denn es gilt täglich: Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Wir schaffen das. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum Fronleichnamsfest (Joh 6,51-58)

Das Himmelsbrot

Woran merken wir eigentlich am deutlichsten, dass Gott uns wirklich liebt? An der Natur, die so herrlich und wunderbar erschaffen ist und uns vor allem Gottes kreative, schöpferische Liebe deutlich macht? Oder an Gottes Menschwerdung, die uns zeigt: Gottes Liebe ist so groß, das er einer von uns wurde? Oder an seinem Erlösungswerk durch Leiden, Kreuz und Tod hindurch: Keine Liebe ist größer als die, wenn einer sein Leben gibt für seine Freunde? Oder an den Gaben und Wirkungen des Heiligen Geistes, seinem Ausdruck der tröstenden und bleibenden Liebe Gottes bis zum Ende der Welt?

All diese Antworten sind richtig und wertvoll. Am deutlichsten, so glaube ich, wird diese Liebe Gottes zu uns Menschen aber daran, dass wir Gott essen dürfen und sollen: „Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben.“ „Ich bin das lebendige Brot … wer von diesem Brot ist, wird leben in Ewigkeit.“

Gott wählt Brot für seinen Liebesbeweis, weil es nicht nur ein Grundnahrungsmittel für die gesamte Menschheit ist. Brot gibt es überall, in allen Ländern. Damit macht er deutlich: Ich liebe alle Menschen ohne Ausnahme, ich möchte, dass alle Menschen ohne Ausnahme diese Liebe erfahren dürfen.

Am Brot zeigt sich aber noch auf andere Weise, dass Gott uns wirklich liebt. Mit der Wahl des Brotes zeigt Gott nicht nur, dass wirklich alle Menschen seine Liebe erfahren sollen, er setzt sich damit auch der Gefahr aus, lächerlich gemacht und verspottet zu werden.

Die Hostie, das Heilige Brot, ist so unscheinbar, dass es für uns Menschen ein leichtes ist, dieses Brot in den Schmutz zu ziehen, es nicht mit der notwendigen Ehrfurcht und Anbetung zu behandeln. Und das geschieht ja auch oft genug, dass sich Menschen über die Kommunion lustig machen. Viel zu oft passiert es mir selbst, dass ich unkonzentriert, unachtsam die Kommunion empfange, weil ich an ganz andere Dinge denke als an die intime Begegnung mit dem Allerheiligsten.

Sehr bewusst ist mir das in jenen Wochen geworden, in denen es keine öffentlichen Gottesdienste gab. Der Leib Christi war plötzlich unerreichbar. War das jetzt für uns schlimm, oder nicht? Ist uns da etwas abgegangen? Hat dieser wochenlange Verzicht in uns die Sehnsucht nach dem lebendigen Brot wachsen lassen?

„Dieses Himmelsbrot“, so sagte der heilige Franz von Sales einmal, „stärkt das Herz und erfreut das Gemüt“ (DASal 1,229). Tut es das wirklich?

Der heilige Franz von Sales war felsenfest davon überzeugt, dass er ohne die Kraft und Stärkung durch den Leib Christi nicht glücklich sein und kein sinnvolles Leben führen kann. Denn, so glaubte er, durch die Heilige Kommunion wird er von der Liebe Gottes selbst genährt.

„Wer die hochheilige Kommunion empfängt, nimmt den lebenden Jesus Christus in sich auf“ (DASAl 7,201) – schreibt er. Und weiter:

„Köstliches Brot, wer dich würdig genießt, wird ewig leben …. Welch unvergleichlich lieblichen Geschmack hat dieses Brot für die Seelen, die es würdig genießen! Welche Köstlichkeit, … sich zu nähren mit dem Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, … Was es indessen am köstlichsten macht, das ist die Liebe, mit der es uns gegeben wurde von jenem selbst, der zugleich die Gabe und der Geber ist“ (DASal 9,211).

Das Fronleichnamsfest, das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi, erinnert uns genau an diese Liebe. Vielleicht nehmen wir ja das diesjährige Fronleichnamsfest zum Anlass, uns den Wert dieses Heiligen Brotes neu bewusst zu machen. Ein Gebet, das Franz von Sales der heiligen Johanna Franziska von Chantal vorschlägt, kann uns dazu weiterhelfen. Franz von Sales betet:

„Heiland unseres Herzens, da wir nun … an Deinen Tisch treten …, um nicht nur Dein Brot zu essen, sondern Dich selbst, der Du unser lebendiges (Jo 6,51) und übernatürliches (Mt 6,11) Brot bist, bewirke, dass wir … diese ganz vollkommene Speise in der richtigen und vollkommenen Weise in uns aufnehmen …, erfüllt von Deiner heiligen Gnade, Güte und Liebe“ (DASal 5,216). Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag (Joh 3,16-18)

Zusammenfassung

Eine ereignisreiche Zeit liegt hinter uns. Und dabei denke ich nicht an die dramatischen Ereignisse rund um die Corona-Pandemie, die die Welt noch immer in Atem hält und uns sicher noch eine Zeitlang beschäftigen wird.
Nein, ich denke an die Ereignisse des Kirchenjahres, an unsere kirchlichen Feste und Feiern der letzten Monate. Der Advent, mit seinen Verheißungen: Gott ist im Kommen, bereitet dem Herrn den Weg. Die Weihnachtszeit, die Zeit der Menschwerdung Gottes: Gott wird einer von uns, um ganz bei uns, ja in uns sein zu können. Die Zeit des Wirkens Jesu Christi, Gottes Hinwendung gerade zu den Armen, Kranken, Ausgestoßenen – die unendliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes, die im Wirken Jesu allen Menschen spürbar wird. Die Fastenzeit, die österliche Bußzeit, die uns jedes Jahr die Möglichkeit gibt, sich dieser Barmherzigkeit und Liebe anzunähern, die Zeit der Umkehr, des Nachdenkens darüber, ob ich mich noch auf dem richtigen Weg befinde oder daran etwas ändern muss. Schließlich die Karwoche: die dramatischen Ereignisse um das Kreuz, den Tod und die Auferstehung Jesu: sein Erlösungswerk, damit wir Menschen das Leben haben, das Leben in Vollendung. Dies wird dann in der Osterzeit ausgefaltet. Der Auferstandene, seine Begegnungen mit den Frauen, mit Maria Magdalena, den Aposteln im Abendmahlsaal, am See Genezareth. Seine Verherrlichung an Christi Himmelfahrt: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören – Seid sicher, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. All das vollendet sich an Pfingsten bei der Ausgießung des Heiligen Geistes, Gottes Kraft und Energie, der Sturmwind, der die Jüngerinnen und Jünger hinaustreibt in alle Welt, um die Frohe Botschaft Jesu allen Menschen aller Sprachen, Rassen und Nationen furchtlos zu verkünden.
Diese zentralen Themen unseres Glaubens und noch vieles mehr haben wir in den letzten Monaten gefeiert, vieles davon in eingeschränkter Form, aber vielleicht gerade deshalb mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen. All das findet nun seinen Höhepunkt im heutigen Fest: dem Fest der göttlichen Dreifaltigkeit. Der Abschnitt aus dem Johannesevangelium, den wir gerade eben gehört haben, fasst das gesamte Heilsgeschehen, das unseren christlichen Glauben ausmacht, noch einmal zusammen:
„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Damit wir das nicht vergessen, wirkt der Heilige Geist in unserer Welt und treibt die Kirche an, unermüdlich das Wirken Gottes zu bezeugen und am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten.
„Der Heilige Geist ist das Band der Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn“ (DASal 11,139), so schreibt der Heilige Franz von Sales. Und er empfiehlt: „Lassen wir uns vom Wehen des Heiligen Geistes vorwärts bewegen.“ (DASal 3,157)
Gott wirkt in unserer Welt als Schöpfer, Gott wirkt als Jesus Christus, als Erlöser und Heiland, Gott wirkt als Heiliger Geist, als Tröster und Lebendig-Macher … Diese Erfahrungen, die in der Heiligen Schrift grundgelegt sind, wurden in der Kirche durch den Glaubenssatz „Gott ist ein Gott in drei Personen“ zusammengefasst.
Dieser Glaube an die Dreifaltigkeit Gottes, die wir heute feiern, erinnert uns also an die jahrtausendealte Erfahrungsgeschichte zwischen Gott und den Menschen. Dieser Glaube an die Dreifaltigkeit Gottes macht uns aber genauso deutlich, dass für uns Menschen Gott immer auch der Unfassbare, der Unbegreifliche bleiben wird und bleiben muss. Gott wäre „sehr armselig“, schreibt daher auch der Heilige Franz von Sales, „würden wir kleinen Geister ihn begreifen“ (vgl. DASal 3,225). Unsere Aufgabe ist vielmehr der Dank und Lobpreis, das Staunen und Anbeten. Ehre sei dem Vater, Ehre sei dem Sohn, Ehre sei dem Heiligen Geist, heute und in alle Ewigkeit. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Erstes Wiedersehen seit Corona

Erstmals seit Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie trafen sich die Sales-Oblaten der Region Wien im Provinzialat im Kaasgraben am 2. Juni 2020.