Predigt zum Pfingstfest (1 Kor 12,3b-7.12-13, Joh 20,19-23)

Bunte Kirche

In der Pfarre Franz von Sales in Wien gab es – corona-bedingt – in diesem Jahr eine besondere Aktion zur Vorbereitung auf das Pfingstfest. Wir erinnern uns: fast zwei Monate lang fanden öffentliche Gottesdienste nicht statt und auch keine anderen Veranstaltungen. Das Gemeindeleben wurde praktisch in Quarantäne geschickt. Um deutlich zu machen, dass Kirche trotzdem lebendig ist, rief man nun die Aktion „Kirche bauen aus lebendigen Steinen“ ins Leben. Alle – Große und Kleine – wurden eingeladen, einen Stein zu sammeln, diesen bunt zu bemalen und in die Kirche zu bringen, um deutlich zu machen: Ich bin mit meinen bunten Fähigkeiten und Talenten ein Teil der Kirche. Ich gehöre dazu, so wie ich bin. Biblischer Hintergrund der Aktion war ein Wort aus dem 1. Petrusbrief: „Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“ (1. Petrusbrief 2,4-5). Dazu das Wort des heiligen Franz von Sales, des Patrons der Pfarrgemeinde: „Wollt ihr als lebendige Steine in die Mauern des himmlischen Jerusalem eingefügt werden? … Kommt und stellt euch der Kirche vor!“ (Franz von Sales, DASal 10,246). Im Laufe der Osterzeit entstand auf diese Weise tatsächlich eine bunte Kirche aus lebendigen Steinen. Es wurde dadurch sichtbar, was in der heutigen Lesung der Apostel Paulus in seinem 1. Korintherbrief über die Kirche verkündete: Wir alle sind ein Leib mit vielen Gliedern, mit verschiedenen Gnadengaben, Diensten und Kräften. Durch den Heiligen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen.

Das feiern wir am Pfingstfest: die Geburtsstunde einer lebendigen bunten Kirche, hervorgerufen durch die Ausgießung des Heiligen Geistes: der Sturmwind und die Feuerflamme, die Energie der göttlichen Liebe, die die Apostel hinaustrieb in die ganze Welt um die Kirche aus lebendigen, bunten Steinen zu bauen.

Im heutigen Evangelium durchbricht Jesus Christus die verschlossenen Türen und bricht in die verängstigte Schar seiner Jüngerinnen und Jünger ein, um sie aus der Lethargie des Todes zu befreien. Und was tut er? Er wünscht ihnen den Frieden, Schalom, das Leben in Vollendung und er haucht ihnen dazu den Heiligen Geist ein: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Am Pfingstfest dann kennt dieser Heilige Geist kein Halten mehr. Ein Brausen entsteht, ein heftiger Sturm, Zungen wie von Feuer erscheinen, eine Getöse erfüllt die Straßen und die Apostel werden hinausgetrieben, um der ganzen Welt in allen „Sprachen Gottes große Taten zu verkünden.“ Aus den verängstigten Aposteln werden tollkühne, multinationale Botschafter des Glaubens.

Lassen wir uns doch auch in diesem Jahr vom Geist Gottes anstecken. „Lassen wir uns“, wie es der heilige Franz von Sales formuliert, „in aller Freiheit vom milden Wehen des Heiligen Geistes vorwärts bewegen und tragen“ (DASal 3,157). Erkennen wir neu unsere verschiedenen „Gnadengaben“ und „Kräfte“, unsere von Gott geschenkten Talente und Fähigkeiten und stellen wir sie ihm zur Verfügung, damit er seinen Leib, die Kirche, weiter aufbauen kann.

„Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art (Gen 1,11). So gibt er auch den Gläubigen den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen; jeder nach seiner Art und seinem Beruf“, schreibt Franz von Sales in seinem Buch „Anleitung zum frommen Leben – Philothea“ (I,3). Das Pfingstfest erinnert uns jedes Jahr daran, dass wir zu diesem Auftrag nicht nur berufen, sondern auch mit dem Heiligen Geist, der Kraft und Energie Gottes selbst befähigt sind. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit (Joh 17,1-11a)

Von Jesus beten lernen

mit dem heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium dürfen wir Jesus Christus beim Beten erleben.

Normalerweise zog sich Jesus ja immer in die Einsamkeit zurück, um zu beten. Was er da genau tat, wissen wir nicht. Natürlich kennen wir das Vaterunser, das er uns zu beten gelehrt hat. Und wir wissen auch, dass er, wie jeder Jude, die Psalmen zitieren konnte. Seine ganz persönlichen Gebetsgedanken aber offenbart er uns erst bei seinem Abschiedsgebet, von dem wir heute ein Stück gehört haben.

Sich in die Gegenwart des betenden Jesus zu versetzen, tut gut. Ich lade dazu ein, sich mit ihm und seinen Jüngern in den Abendmahlsaal zu begeben, und seinen Worten zu lauschen – und vielleicht dadurch von Jesus für das eigene, persönliche Gebet zu lernen.

Wie betet Jesus? Zunächst wendet er sich direkt an Gott und er nennt ihn „Vater“: „Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!“

Das Gebet Jesu ist ein Dialog, ein Zwiegespräch, mit Gott Vater. Er redet nicht über ihn, sondern mit ihm. Und er sagt: „Vater, jetzt wird es ernst!“ Jetzt entscheidet sich alles. Die Stunde ist gekommen, auf die dein gesamter Schöpfungs- und Erlösungsplan ausgerichtet war. Jetzt geht es um die Verherrlichung – um deine und meine. Jetzt geht es um das „ewige Leben“. Und was ist dieses „ewige Leben“? Auch das verkündet uns Jesus in seinem Gebet: „Das ewige Leben bedeutet, dass die Mensch dich, den einzig wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.“

So betet Jesus am Ende seines dreijährigen öffentlichen Wirkens: Es geht um Gott Vater, es geht um die Verherrlichung Gottes und es geht um das Ewige Leben, in dem man Gott erkennt.

„Das Gebet ist die segensreiche Quelle, deren belebende Wasser die Pflänzchen unserer guten Wünsche zum Grünen und Blühen bringen.“ So beschreibt der heilige Franz von Sales das Gebet (Philothea II,1; DASal 1,71). Er ist überzeugt davon, dass das persönliche, direkte Gespräch mit Gott, belebend ist wie eine sprudelnde Quelle. Und weiter schreibt er:

„Nichts ist geeigneter, unseren Verstand von Unwissenheit und unseren Willen von seinen verderbten Anhänglichkeiten zu reinigen, als das Gebet, das unseren Verstand in die Helle göttlichen Lichtes rückt und unseren Willen der Wärme göttlicher Liebe aussetzt.“ (ebd.)

Es geht also um das göttliche Licht, um die Wärme göttlicher Liebe, von der man sich bestrahlen lässt, wenn man betet. Es geht also im Gebet um die Erkenntnis des einzig wahren Gottes, und diese Erkenntnis bedeutet das ewige Leben.

Um all das zu erreichen, empfiehlt uns Franz von Sales das „Gebet des Herzens“ und die Betrachtung des Lebens und des Leidens des Heilands:

Vor allem“ so schreibt er, „empfehle ich dir das Gebet des Geistes und des Herzens, ganz besonders jenes, das zum Gegenstand das Leben und Leiden des Heilands hat.“ Wenn man so betet, so meint Franz von Sales: „ wird deine Seele von [Jesus Christus] erfüllt, du lernst seine Art und Weise kennen und deine Handlungen nach den seinen formen. Er ist das Licht der Welt.“ (ebd.)

Lernen wir von und mit Jesus zu beten, in dieser persönlichen Innigkeit des Herzens, die er uns vorgebetet hat.

Jesus betet auch für uns: „Für sie bitte ich; … für alle, die du mir gegeben hast, denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlich.“

Das bedeutet: Beten ist eigentlich überhaupt nicht schwer. Ich brauche nämlich nicht von Null anfangen und mich zum guten Gebet vorantrainieren. Jesus Christus betet ja schon längst für mich und mit mir. Ich muss eigentlich nur noch da sein und mich diesem Gebet Jesu öffnen. Dann braucht es eigentlich gar keiner Worte mehr, denn Jesus spricht für mich. Er ist das Wort, mehr braucht es nicht.

„Glaube mir,“ so schreibt daher auch der heilige Franz von Sales, „wir können zu Gott dem Vater nur durch diese Pforte – nämlich Jesus Christus – gehen … so sollen auch wir den Heiland in all unseren Gebeten und Handlungen betrachten, ansehen und suchen.“ (ebd.)

Das ist der sicherste und einfachste Weg zum Ewigen Leben: in und mit Jesus. Denn so betet Jesus Christus: „Vater, alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

 

Predigt zum Fest Christi Himmelfahrt (Mt 28,16-20)

Ich bin bei euch

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Das sind die Zusage und das Versprechen Jesu am heutigen Fest Christi Himmelfahrt. Außerdem versichert er uns: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.

Das heißt also: Selbst wenn wir das heutige Fest „Himmelfahrt Christi“ nennen, dann bedeutet das nicht, dass Jesus uns nach seiner Menschwerdung, nach seinem 33-jährigen Aufenthalt hier auf Erden, nach seinem Erlösungswerk durch Kreuz, Tod und Auferstehung, nach einer 40-tägigen Einschulungsphase für seine Jüngerinnen und Jünger einfach wieder verlassen hat. So nach dem Motto: Mission erfüllt. Auf Wiedersehen! Genau das bedeutet das heutige Fest nicht.

Vielmehr feiern wir Christi Himmelfahrt, weil wir mit diesem Bild „Himmelfahrt“ zum Ausdruck bringen, was mit Jesus Christus schon immer angekündigt wurde, aber bis dahin niemand so richtig verstanden hat: Dieser Jesus Christus ist der geliebte Sohn Gottes, auf den wir hören sollen. Diese Botschaft steht im Mittelpunkt der Taufe Jesu und bei seiner Verklärung am Berg Tabor. Und jetzt – „auf dem Berg, den Jesus ihnen genannt hatte“ – wird diese Wahrheit von Jesus selbst noch einmal bestätigt: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde“, sagt er und er versichert uns: „Ich bin da – alle Tage, also immer – bis zum Ende der Welt.

Das ist unser Glaube. Das fordert unser Vertrauen heraus, dass diese Worte Jesu nicht Schall und Rauch, sondern immerwährende Realität sind.

Vielleicht haben wir in diesem Jahr sogar die Chance erhalten, genau dieses Glaubensgeheimnis der Himmelfahrt Jesu viel besser als je zuvor verstehen zu können. Wir leben ja in einer Zeit, in der wir unser gesamtes öffentliches und privates Leben veränderten. Wir tragen Schutzmasken, wir begrüßen uns anders, wir halten Abstand, wir achten viel mehr auf das Händewaschen, das Desinfektionsmittel steht überall. Neue Gesetze werden gemacht, Regeln für das Miteinander-Leben, Arbeiten, Feiern, Erholen usw. werden aufgestellt. Und warum das Ganze? Weil es da etwas gibt, das uns anstecken kann, lebensbedrohlich ist, obwohl wir es gar nicht sehen. Es gibt also etwas, das da ist und in alle Bereiche unseres Lebens hinein wirkt, obwohl es mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Wir müssen es glauben, wir müssen den Spezialisten vertrauen, den Ärzten und Virologen. Dass dieser Glaube gar nicht so selbstverständlich ist, erleben wir genauso. Es gibt genug Menschen, die das Ganze für einen völligen Blödsinn halten.

Der Name Gottes lautet „Jahwe“ – „Ich bin der ich bin da“. Jesus Christus versichert uns: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Es gibt tausende Spezialisten, Theologen, Propheten, Heilige, die uns das seit Jahrtausenden immer wieder bis zum heutigen Tag bestätigen und versichern.

Der heilige Franz von Sales zum Beispiel verwendet dafür das Bild der Vögel und verkündet:

„Gott ist ja in allem und überall; es gibt keinen Ort und kein Ding, wo er nicht wirklich gegenwärtig wäre. Wohin die Vögel auch fliegen, sie finden ihr Element, die Luft, in der sie sich bewegen; so finden auch wir, wohin immer wir gehen mögen, Gott überall gegenwärtig.“ (Philothea II,2; DASal 1,73)

Franz von Sales weiß natürlich, dass sich die Menschen mit dieser immerwährende Gegenwart Gottes leider auch schwer tun. „Jeder kennt diese Wahrheit,“ so schreibt er, „aber wie viele gibt es, die sie wirklich erfassen? […] Wir sehen den allgegenwärtigen Gott nicht; obwohl uns der Glaube dessen versichert, vergessen wir auf seine Gegenwart oft und benehmen uns, als wäre Gott weit entfernt von uns.“ (ebd.)

Es ist daher unbedingt erforderlich, dass wir uns die Gegenwart Gottes so oft wie nur möglich in Erinnerung rufen, bei allem, was wir tun, zu jeder Zeit. Diese Gegenwart ist aber kein gefährlicher Virus, sondern sie tut uns Menschen gut. Gottes Gegenwart ist eine liebevolle Gegenwart, sie schenkt Kraft, Hoffnung, Mut und Zuversicht. Sie lässt uns neu anfangen, wenn wir etwas falsch gemacht haben, aufstehen, wenn wir gefallen sind, durchhalten, wenn es anstrengend ist, trotzdem leben, wenn wir mutlos sind. Wir Christen haben für diese leben-spendende, liebevolle Kraft Gottes auch einen Namen, wir nennen sie „Heiliger Geist“. „Wir glauben an den Heiligen Geist“, so beten wir im Großen Glaubensbekenntnis, das für alle Christinnen und Christen aller Konfessionen gilt: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht … der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird.“ Dieser Heilige Geist ist die Erfüllung des Versprechens Jesu, dass er immer bei uns ist, alle Tage bis zum Ende der Welt.

In wenigen Tagen feiern wir Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, das Fest der immerwährenden liebevollen Gegenwart Gottes mit, um und in uns. Nutzen wir die kommenden Tage besonders dafür, uns die liebevolle Gegenwart Gottes, mit und in der wir immer und überall leben, wieder bewusst zu machen. Auch wenn wir Gott nicht sehen, er ist da, er wirkt, er ist ansteckend, er schenkt Kraft, Energie, Hoffnung und Zuversicht. Ohne ihn könnten wir genauso wenig leben, wie ohne Luft. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Ecuador während der Corona-Pandemie

Die Sales-Oblaten starteten in Ecuador eine Kampagne zur Beschaffung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,15-21)

Spuren der Liebe

Vom deutsch-französischen Arzt, Philosophen und evangelischen Theologen Albert Schweitzer (1875-1965) stammt das Wort:

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“

Der Text des Evangeliums vom 6. Sonntag der Osterzeit, den wir soeben hörten, ist ein Teil aus den Abschiedsreden Jesu Christi an seine Jüngerinnen und Jünger. Jesus bereitet also seine Jüngerinnen und Jünger darauf vor, dass er sterben und zu Gott Vater heimkehren wird. Er will ihnen also noch einmal das Wichtigste und Wesentlichste seiner Lehre mitgeben. Und auch bei diesen Abschiedsreden gilt: Das wirklich Wichtige und Wesentliche sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen. Und die Liebes-Spuren, die uns Jesus Christus hinterlässt, sind tatsächlich das Wesentliche seiner Lehre: seine Hinwendung gerade an die Armen, Kranken, Ausgestoßenen und Sünder. Sein Hauptgebot der Liebe: der Liebe zu Gott, zu den Nächsten wie zu uns selbst. Seine Liebe zu Gott Vater, eine Liebe des vollkommenen Eins-Seins. Seine liebende Hingabe an die Welt, durch seine Bereitschaft, das Kreuz auf sich zu nehmen, sein Kreuz zu tragen und am Kreuz zu sterben. Und schließlich seine Spur der Liebe, die stärker ist als jeder Tod: seine Auferstehung, sowie sein Geschenk der Liebe an die Welt: der Beistand, der Heilige Geist, die Frucht der Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn, die liebende Energie und Kraftquelle, die das Leben und die Welt durchströmt.

Der heilige Franz von Sales gilt in der Tradition der Kirche als DER Lehrer der Liebe schlechthin, als der „Doctor amoris“, weil er diese Spuren der Liebe, die Jesus Christus uns allen hinterlassen hat, nicht nur aufgegriffen, sondern theologisch mit seinen Gedanken und seinem Verhalten beleuchtet, durchdrungen und damit uns Menschen noch eindringlicher näher gebracht hat. Franz von Sales schreibt:

„Die göttliche Liebe ist Ziel, Krönung und Vollendung des Weltalls“ (DASal 4,168).

„Alles ist für die Liebe bestimmt und die Liebe für Gott. Alles muss der Liebe dienen“ (DASal 4,92)

„Die Liebe allein bestimmt den Wert unseres Tuns.“ (DASal 6,368)

Das sind nur drei seiner unzähligen Aussagen über die Liebe, die uns Franz von Sales hinterlassen hat. Alle diese Aussagen, die er durch sein eigenes vorbildliches Leben und Handeln untermauerte, sind und bleiben uns erhalten und sind zeitlos gültig. Sie gehören unwiderruflich zum spirituellen Schatz der christlichen Religion.

Es wäre zu wünschen, dass wir später einmal auch über die Zeit der Corona-Krise, die wir in diesem Jahr durchleben, im Rückblick ebenso aufzählen könnten, welche „Spuren der Liebe“ diese Krise in der Welt hinterlassen hat. Dass wir also nicht davon erzählen, wie viele Infizierte, Kranke oder Tote es gegeben hat, sondern wie viele Taten der Liebe: im Füreinander und Miteinander, in der Rücksicht und Solidarität, in der Bereitschaft, eigene Interessen zurückzustellen, damit es allen gut geht, und nicht nur mir.

Die Menschen haben ihre Schutzmasken getragen, obwohl es unangenehm und unattraktiv war, nicht, um sich selbst zu schützen, sondern um die anderen zu schützen.

Die Menschen haben sich an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten, nicht, um sich selbst nicht anzustecken, sondern um die Ansteckung anderer zu verhindern.

Die Menschen haben auf alle möglichen liebgewordenen Dinge verzichtet, nicht, weil sie Angst davor hatten, sondern aus Rücksicht gerade mit jenen der Gesellschaft, die am meisten gefährdet sind.

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ Dieses Wort von Albert Schweizer, aber auch die Worte des heiligen Franz von Sales über die Liebe laden uns ein, darüber nachzudenken, worauf es denn im Leben wirklich ankommt. Gleiches gilt natürlich auch für die Abschiedsreden Jesu und seine Spuren der Liebe, die er uns hinterlassen hat. In jenem Satz zum Beispiel, den wir am Schluss des obigen Abschnittes gelesen haben, ist das Wort Liebe gleich vier Mal enthalten:

„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt;
wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden
und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS

Predigt zum 5. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,1-12)

Jesus schenkt Orientierung

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“, sagt Jesus seinen Jüngern. Und wie sollen sie das anstellen? „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

Etwas später erklärt das Jesus dem Apostel Thomas mit den berühmten Worten: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Und dem Apostel Philippus sagt er: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen … Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass er in mir ist.“

Kurz, bündig und einfach zusammengefasst heißt das:

Jesus Christus ist es, der deinem Leben die Orientierung gibt, die du brauchst, um an dein Ziel zu gelangen.

Halte dich also an Jesus Christus, und dein Leben wird gelingen.

Wir leben in einer Welt mit vielen Angeboten, die uns alles Mögliche verheißen – und alle diese Angebote sollen uns selbstverständlich glücklich machen und ein sinnvolles Leben bewirken. Die Werbung ist voll davon. Jedes beworbene Produkt präsentiert sich als unentbehrlich, damit das Leben gelingt.

Mittlerweile erleben wir aber auch eine Situation, in der ein Virus unsere Welt völlig durcheinanderwirbelt. Und auch da fragen sich die Menschen: Und wie soll es jetzt weitergehen? Wir lange dauert das Ganze noch, wann kann ich endlich wieder zur Normalität zurückkehren, bei der alles so selbstverständlich war? Wann kommt endlich dieses Medikament, dieser Impfstoff, der mich schützt, damit ich mich nicht mehr fürchten muss? In solchen Krisensituationen gibt uns das heutige Evangelium nicht nur Orientierung, es macht uns auch Mut. Der Glaube an Jesus Christus hilft. Er ist nämlich der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer mich sieht, sieht Gott. Halte dich an Jesus Christus, und dein Leben wird gelingen.

Der heilige Franz von Sales verwendet dafür das Bild des „Halcyon“, eine Vogelgattung aus der griechischen Mythologie – im Deutschen fälschlicherweise mit „Seeschwalbe“ übersetzt. Das Besondere an diesem Fabelwesen war, dass er sein Nest auf dem Meer baute, um dort schwimmend zu brüten. Deshalb bauen diese Vögel „ihr Nest kugelförmig und lassen nur oben eine kleine Öffnung; auf die Wellen des Meeres gesetzt, ist dieses Nest so fest und so dicht, dass kein Wasser eindringen kann, so hoch die Wogen auch gehen mögen, die dagegen anstürmen; sie halten sich mitten in der Brandung über Wasser und beherrschen das Meer.“

Und am Ende dieser Bildbeschreibung meint Franz von Sales: Genauso wie dieses Nest des Halcyon „muss auch dein Herz sein: offen nur dem Himmel.“ (DASal 1,143).

Franz von Sales verwendet dieses Bild zwar im Zusammenhang mit dem Umgang mit Geld und Reichtum … es kann aber natürlich für jede Situation des Lebens verwendet werden. In allen Situationen sollen wir unser Herz ausschließlich nur dem Himmel öffnen – und dann können Wogen aller Art um uns herum toben, wir gehen nicht unter, wir bleiben trotzdem auf dem richtigen Weg, nämlich dem Weg Jesu Christi.

Dazu lädt uns Jesus Christus heute ein: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. … Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und er in mir ist. … Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen.“

Das Herz nur für Jesus Christus offen halten, dazu braucht es Übung, und zwar täglich. Eine Möglichkeit ist das Herzensgebet, das mir helfen kann, mein Herz nur für den Himmel offen zu halten. Dieser kurze und häufige Gedanke an Jesus Christus im Laufe des Alltags, so meint Franz von Sales, kann alle anderen Gebete ersetzen, selbst aber durch nichts gut gemacht werden. Diese kleinen Gedanken an Jesus sind nicht schwer, sondern sehr leicht in alle Arbeiten und bei allen Gelegenheiten anzuwenden und erinnern uns eben daran, dass es Jesus ist, der uns Orientierung im Leben schenkt, denn er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS