Predigt zum 3. Adventsonntag (Mt 11,2-11)

Erwartungshaltung

Johannes der Täufer und dessen Jünger wollen es wissen: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Diese Frage aus dem heutigen Evangelium macht uns deutlich: Die Zeit des Advents ist eine Zeit der Erwartung, eine Zeit, in der wir uns mit der Frage auseinandersetzen sollten, worauf wir eigentlich warten, was wir erwarten, wenn wir auf Christus warten.

„Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Vielleicht sollten wir heute sogar noch viel grundsätzlicher fragen: Worauf warten wir überhaupt?

Was erwarte ich mir, wenn ich Weihnachten feiere?

Was erwarte ich mir, wenn ich in eine Kirche gehe?

Was erwarte ich mir, wenn ich bete?

Was erwarte ich mir vom Leben?

Die Erwartungen der Menschen zur Zeit Jesu waren klar: Der Messias, der Christus, der Erlöser, auf den wir warten, er wird der Heilsbringer sein, er wird alle unsere Probleme lösen. Er wird uns von der Macht der römischen Gewaltherrschaft befreien, er wird alles Leid und Elend wegnehmen und er wird das Paradies auf Erden errichten. Wenn der Christus kommt, dann wird es uns einfach nur gut gehen.

Ist das wirklich die richtige Erwartungshaltung, die wir Gott, der Kirche und dem Leben gegenüber, einnehmen sollen?

Der heilige Franz von Sales bietet uns auf diese Frage eine Antwort an, die wir heute eigentlich gar nicht mehr kennen. Er sagt, die Erwartungshaltung, die wir einnehmen sollen, ist der heilige Gleichmut, eine Tugend also, die wir völlig aus den Augen verloren haben. Wer verwendet denn dieses Wort überhaupt noch: „Gleichmut“? Und wer weiß denn noch, was dieses Wort überhaupt bedeutet?

Im heiligen Gleichmut, so schreibt Franz von Sales, befindet sich der Mensch Gott gegenüber in einer „einfachen und allgemeinen Erwartung“. Das bedeutet: „Der Mensch lässt Gott wollen, was Gott gefällt.“ Im heiligen Gleichmut ist das Warten des Menschen „ein einfaches Bereitsein, all das zu empfangen, was geschehen wird“. Und wenn die Ereignisse eintreten, „verwandelt sich die Erwartung in eine Einwilligung und Zustimmung“. Davor aber befindet sich der Mensch „in einer einfachen Erwartung, gleichmütig gegen alles, was dem göttlichen Willen anzuordnen belieben wird.“

Also: Im heiligen Gleichmut bleibe ich „bereit für alles, was der Wille Gottes verfügen wird“, egal was das auch sein wird (vgl. DASal 4,161-162).

Diese Erwartungshaltung im heiligen Gleichmut schenkt Gott voll und ganz das Vertrauen. Ich traue Gott zu, dass alles, was kommt, gut und richtig sein wird, selbst dann, wenn es nicht meinen Vorstellungen und Wünschen entspricht.

„Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt“, sagt Jesus den Jüngern des Johannes. Selig, wer vertraut, dass ich der verheißene Messias bin. Diese Seligpreisung gilt der Tugend des heiligen Gleichmutes. Selig, wer darauf vertraut, dass die Pläne Gottes, so unbegreiflich, unerwartet und anders sie auch sein mögen, gut sind.

Dass diese Erwartungshaltung, dieser heilige Gleichmut in uns wachse, dazu möge Gott uns seine Kraft schenken. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS