Predigt zum 5. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,1-12)

Jesus schenkt Orientierung

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“, sagt Jesus seinen Jüngern. Und wie sollen sie das anstellen? „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

Etwas später erklärt das Jesus dem Apostel Thomas mit den berühmten Worten: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Und dem Apostel Philippus sagt er: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen … Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass er in mir ist.“

Kurz, bündig und einfach zusammengefasst heißt das:

Jesus Christus ist es, der deinem Leben die Orientierung gibt, die du brauchst, um an dein Ziel zu gelangen.

Halte dich also an Jesus Christus, und dein Leben wird gelingen.

Wir leben in einer Welt mit vielen Angeboten, die uns alles Mögliche verheißen – und alle diese Angebote sollen uns selbstverständlich glücklich machen und ein sinnvolles Leben bewirken. Die Werbung ist voll davon. Jedes beworbene Produkt präsentiert sich als unentbehrlich, damit das Leben gelingt.

Mittlerweile erleben wir aber auch eine Situation, in der ein Virus unsere Welt völlig durcheinanderwirbelt. Und auch da fragen sich die Menschen: Und wie soll es jetzt weitergehen? Wir lange dauert das Ganze noch, wann kann ich endlich wieder zur Normalität zurückkehren, bei der alles so selbstverständlich war? Wann kommt endlich dieses Medikament, dieser Impfstoff, der mich schützt, damit ich mich nicht mehr fürchten muss? In solchen Krisensituationen gibt uns das heutige Evangelium nicht nur Orientierung, es macht uns auch Mut. Der Glaube an Jesus Christus hilft. Er ist nämlich der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer mich sieht, sieht Gott. Halte dich an Jesus Christus, und dein Leben wird gelingen.

Der heilige Franz von Sales verwendet dafür das Bild des „Halcyon“, eine Vogelgattung aus der griechischen Mythologie – im Deutschen fälschlicherweise mit „Seeschwalbe“ übersetzt. Das Besondere an diesem Fabelwesen war, dass er sein Nest auf dem Meer baute, um dort schwimmend zu brüten. Deshalb bauen diese Vögel „ihr Nest kugelförmig und lassen nur oben eine kleine Öffnung; auf die Wellen des Meeres gesetzt, ist dieses Nest so fest und so dicht, dass kein Wasser eindringen kann, so hoch die Wogen auch gehen mögen, die dagegen anstürmen; sie halten sich mitten in der Brandung über Wasser und beherrschen das Meer.“

Und am Ende dieser Bildbeschreibung meint Franz von Sales: Genauso wie dieses Nest des Halcyon „muss auch dein Herz sein: offen nur dem Himmel.“ (DASal 1,143).

Franz von Sales verwendet dieses Bild zwar im Zusammenhang mit dem Umgang mit Geld und Reichtum … es kann aber natürlich für jede Situation des Lebens verwendet werden. In allen Situationen sollen wir unser Herz ausschließlich nur dem Himmel öffnen – und dann können Wogen aller Art um uns herum toben, wir gehen nicht unter, wir bleiben trotzdem auf dem richtigen Weg, nämlich dem Weg Jesu Christi.

Dazu lädt uns Jesus Christus heute ein: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. … Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und er in mir ist. … Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen.“

Das Herz nur für Jesus Christus offen halten, dazu braucht es Übung, und zwar täglich. Eine Möglichkeit ist das Herzensgebet, das mir helfen kann, mein Herz nur für den Himmel offen zu halten. Dieser kurze und häufige Gedanke an Jesus Christus im Laufe des Alltags, so meint Franz von Sales, kann alle anderen Gebete ersetzen, selbst aber durch nichts gut gemacht werden. Diese kleinen Gedanken an Jesus sind nicht schwer, sondern sehr leicht in alle Arbeiten und bei allen Gelegenheiten anzuwenden und erinnern uns eben daran, dass es Jesus ist, der uns Orientierung im Leben schenkt, denn er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS