P. Georg Grois

Predigt zum Requiem P. Georg Grois OSFS (Phil 4,1.4-9; Mt 7, 24-27)

Auf der Erde gestanden, im Himmel verankert

Mit unserem P. Georg ist (wieder) ein Mitbruder von uns gegangen, der einer Generation von Priestern und Ordensleuten angehörte, die in ihrer Berufung treu und fest mit beiden Beinen auf der Erde gestanden sind und gleichzeitig im Himmel verankert waren, verankert in einem unerschütterlichen Glauben an einen Gott, der es gut mit uns meint und dem zu dienen es ein Leben lang wert ist. P. Georg gehörte einer Generation an, die nicht alles in der Glaubenslehre der kath. Kirche hinterfragte und endlos diskutieren wollte. Er glaubte das, was ihm seine Eltern, seine Familie als Fundament eines christlichen und damit wertvollen und sinnerfüllten Lebens mitgegeben hatten. Und daher identifizierte er sich auch gänzlich mit der Kirche, mit ihren Traditionen, ihren Festen, ihren Bräuchen, ihrer Sprache und auch mit ihren Amtsträgern und Dienern. Schließlich atmete er von seiner Schulzeit an durch die Ordensinternate und -schulen die kirchliche Atmosphäre und Tradition ein und sie gehörte zu ihm und seiner Lebenswelt wie das Wasser zu einem Fisch. Daher war die Kirche und im speziellen die Ordensgemeinschaft von uns Sales-Oblaten, sein Leben lang die zweite Familie von P. Georg, sein Zuhause, sein Arbeitsfeld. Die Feier der Sakramente war für ihn als Priester wohl das wichtigste, gleichzeitig aber konnte er auch all das gesellige Beisammensein, das sich meist an eine Feier in der Kirche anschloss, voll auskosten. Da zog er dann all seine humorvollen und kommunikativen Register. Da kam sein Mitteilungsdrang dann so richtig zur Geltung, da merkte jeder, der es mit ihm zu tun bekam seine Begeisterung, seine feste Überzeugung vom Christsein und seine klare Berufung als Diener in dieser Kirche. Diese Generation, die in ihrer Kindheit während und nach dem Krieg nicht viel Materielles zum Genießen und Konsumieren hatte, konsumierte die Zusammengehörigkeit, die Gemeinschaft mit ihren Mitschülern, den Zusammenhalt im Internat, die Mitbrüderlichkeit und Glaubensgemeinschaft in der Zeit ihrer Ordens- und Priesterausbildung. Diese Generation hatte während ihres Studiums größtenteils nicht das große Ziel, Wissenschaftler, große Theologen zu werden: diese Generation wollte zu den Menschen, wollte mit den Menschen leben und deren Seelsorger sein. Das war unser P. Grois. Er war einer dieser Generation. Er war mit uns Menschen, er war Seelsorger, er war Diener, er war gerne Priester und überzeugt von seinem Auftrag, den er durch die Weihe übertragen bekommen hatte. Das Bild vom Haus auf dem Felsen, das Jesus an das Ende seiner Bergpredigt als Konklusion – als Schlussbemerkung – setzt, drückt diese Festigkeit im Glauben und in der Sendung des geistlichen Berufes von P. Georg wunderbar aus. Er hat die Worte Jesu gehört und versucht, danach zu handeln, daher erschien er uns wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Keine Wolkenbrüche und keine Wassermassen, keine Stürme konnten das Haus erschüttern, denn es war auf dem Felsen seiner Entscheidung gebaut, Diener unseres Herrn Jesus Christus zu sein. Und selbst seine stemmige und solide Körperfigur unterstrichen diesen Eindruck nochmals. Ich erinnere mich, als ich P. Georg zum ersten Mal bei einem Informationswochenende in Eichstätt erlebte … beim Fussballspiel … er war, wenn er loslegte, wie die geballte Mannschaft in einer einzigen Person, der alle aus dem Weg gingen. Bloßfüßig mit eingezogenen Kopf sprintete er durch alle Verteidiger hindurch, um schließlich mit einem Schuss, der die Kapazität einer Granate hatte, den Ball mitsamt den Tormann ins Tor zu befördern. Da  war sein ganzer Einsatz spürbar, wie eben bei allem, was er tat, nie nur ein halber Georg auftrat, sondern immer ein ganzer! Da ist er dem Wort unseres Franz von Sales wohl sehr gerecht geworden: (Wünsche nicht, etwas anderes zu sein als was du bist, aber versuche, dies so gut wie möglich zu sein.) Sei, was du bist, und sei es ganz! Das war er nicht nur als Priester und Seelsorger, das war er ebenso in seiner jahrzehntelangen Aufgabe als Ökonom, als Verwalter und Wirtschafter der Ordenshäuser, in denen er eingesetzt war. Viele Erlebnisse mit P. Georg können Mitbrüder aus Nah und Fern erzählen, besonders, wenn sie sich zu Ordenskonferenzen in Fockenfeld versammelten und P. Georg als Gastgeber für ihr leibliches Wohl sorgte. Mit dem Doppler in der einen Hand und mit der Chipstüte in der anderen zog er beim abendlichen Konveniat seine Kreise und füllte sofort jedes leer gewordene Glas und jede leer gegessene Schüssel. Und dazu – und das darf man wohl nie vergessen, wenn man sich an P. Georg erinnert – …dazu bekam dann jeder noch einen Witz serviert, entsprechend der gegenwärtigen Situation. Und es war unglaublich … ihm gingen die Witze einfach nicht aus!

Daher sollen die Worte des hl. Paulus an die Philipper keine komische Verzerrung dieses schmerzlichen Verlustes von P. Georg sein, der viel zu schnell und auch zu überraschend auf uns zugekommen ist … die Worte des hl. Paulus sollen vielmehr das Spiegelbild unseres P. Georgs sein, wie wir ihn gekannt haben und wie er wohl heute genauso wäre, würde er jetzt noch unter uns Irdischen sein. „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: freut euch!“ Wohlgemerkt sagt Paulus: zu JEDER Zeit. Also auch heute in Anbetracht des endgültigen Abschieds von P. Georg. Aber nur, wer so fest im Herrn verankert ist wie er, versteht, dass selbst das leidvolle Abschiednehmen, im christlichen Glauben ein Grund zur Freude ist – damit ist nicht die oberflächliche Freude, der Spaß gemeint – da geht es um den wahren Humor – das Geerdet sein der Person auf der einen Seite und die Leichtigkeit ihres Geistes auf der anderen, die aus dieser Verwurzelung erst entsteht. So gesehen bekommen diese Paulusworte ein ganz anderes Gewicht: Eure Güte werden allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.

Wenn wir unseren P. Georg jetzt in einer würdigen und wertschätzenden Erinnerung bewahren, dann hören wir ihn gemeinsam mit Paulus sagen: Was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut. Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

In diesen Gott des Friedens ist unser P. Georg jetzt wohl eingegangen. Nun kann er ihn schauen, wie er wirklich ist und ihn erleben als den barmherzigen und den liebenden Gott, der ihn zu seiner Herrlichkeit führen will. Damit dürfen und sollen wir uns besonders heute trösten. Amen.

P. Provinzial Thomas Vanek OSFS, Wien-Kaasgraben, 20.8.2018