Predigt zum Fronleichnamsfest (Mk 14,12-16.22-26)

Da schaut,  hier ist Gott!

Für den heiligen Franz von Sales zählte das Fronleichnamsfest zu den besonders großen Höhepunkten des Kirchenjahres. Eines seiner wenigen außergewöhnlichen Ekstasen oder Visionen hatte er an einem solchen Fronleichnamsfest. Darüber schreibt er: „Herr, halte die Ströme deiner Gnade zurück! Herr, … ich kann die Größe deiner Wonnen nicht ertragen und bin gezwungen, mich zu Boden zu werfen.“ (DASal 12,164).

In einem Brief an Johanna Franziska berichtete er einmal: „Da ich bei der Fronleichnamsprozession den Heiland trug, hat er mir in seiner Gnade tausend liebevolle Gedanken geschenkt, bei denen ich nur mit Mühe die Tränen zurückhalten konnte. … Denn sehen Sie, ich hielt dieses göttliche Sakrament fest an meine Brust gepresst … Ach, wie sehr hätte ich gewünscht, dass mein Herz sich geöffnet hätte, diesen teuren Heiland aufzunehmen … Ich hatte ein großes Verlangen nach dieser Liebe“ (DASal 5,189).

Das mag für uns alle heute etwas sehr barock klingen, zeigt uns aber eines sehr deutlich: die übergroße Liebe und Verehrung zum Allerheiligsten Altarssakrament.

Für Franz von Sales war klar: Jesus lügt nicht. Wenn Jesus, wie wir es gerade im Evangelium gehört haben, beim letzten Abendmahl sagt: „Nehmt dieses Brot, das ist mein Leib … trinkt diesen Wein, das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“. Wenn Jesus das sagt, dann ist es auch so: Im Brot und Wein der Eucharistie begegne ich dem Leib des Herrn – wahrhaftig und wirklich. Wäre es nicht so, würde Jesus lügen, und das ist unvorstellbar.

Deshalb ist die Eucharistie der Höhepunkt und die Mitte unseres Glaubens: Hier geschieht wahrhafte, echte, reale, wirkliche und authentische Gottesbegegnung in seiner höchsten Form.

Dieser Gedanke hat Franz von Sales jedes Mal zu tiefst berührt, wenn er die Heilige Messe feierte. Und wenn er am Fronleichnamsfest mit dem Leib des Herrn hinausging auf die Straßen, diesen Leib des Herrn ganz nah bei ihm an seiner Brust tragen und den Menschen zeigen durfte, wurde er jedes Mal von übergroßen Glücksgefühlen durchströmt: So nahe bin ich Gott nur jetzt – und dann erst wieder nach meinem Tod.

Er wollte diese Glücksmomente nicht für sich behalten, sondern weitererzählen, damit jeder Mensch begreift, welch großes Geschenk Jesus Christus uns da gemacht hat. Franz von Sales hatte offenbar das gleiche Gefühl, das auch heute spürbar ist: den Menschen ist dieses Wunder der Eucharistie gar nicht mehr bewusst. Ein Stück Brot – na und? Ein Tropfen Wein – was bedeutet das schon? Wir gehen achtlos daran vorbei, so als wäre da nichts, alles andere ist interessanter. Diesen Menschen möchte Franz von Sales zurufen: Da schaut, hier ist Gott, der lebendige Gott, sein Leib, sein Blut. Du willst wissen, wo Gott ist? Hier ist er. Du möchtest ihn spüren, greifen, sehen, schmecken? Da ist er, wahrhaft und lebendig gegenwärtig. Du darfst ihn sogar essen und trinken, ihn dir einverleiben, ganz nahe bei dir haben. Öffne doch dein Herz für diese Liebe.

Das Fronleichnamsfest, das Fest des Leibes und Blutes Christi, erinnert uns genau daran, an die Mitte, die Quelle und den Höhepunkt unseres Glaubens, damit wir es im Strudel der Alltäglichkeit nicht vergessen. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS