Predigt zum 16. Sonntag im Jahreskreis (Mt 13,24-30)

Unkraut und Weizen

Interessanterweise kam gerade in der letzten Woche folgende Meldung in den Nachrichten:

„In den meisten Ländern der Welt, darunter auch Österreich, wird der Unkrautvernichter Dicamba seit vielen Jahren auf den Feldern versprüht. Zwei US-Bundesstaaten haben das aggressive Herbizid jetzt allerdings verboten, denn neben dem lästigen Unkraut vernichtet es oft auch die Nutzpflanzen auf den Nachbarfeldern.“

Das Gleichnis des heutigen Evangeliums vom Unkraut und dem Weizen scheint also auch aus ökologischer Sicht hochaktuell zu sein. Aber natürlich geht es in diesem Gleichnis nicht um den Umweltschutz, sondern um das Himmelreich … bzw. um unseren Weg dorthin. Und da macht Jesus mit dem Bild vom Unkraut und vom Weizen deutlich, was unserer ganz normalen alltäglichen Lebenserfahrung entspricht: Wir Menschen sind eben nicht vollkommen. In allen Bereichen des Lebens gibt es Gelungenes und Misslungenes, Gutes und Böses, also den Weizen und das Unkraut.

Es ist allerdings gar nicht immer so klar und eindeutig zu unterscheiden, was gut und was böse ist. Und deshalb kommt auch die überraschende Aussage des Gutsherrn an seine Arbeiter: „Lasst beides wachsen … andernfalls reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Habt also Geduld. Die Zeit der Ernte wird kommen, und dann entscheide ich, was Unkraut ist und was Weizen, was gut ist und was böse.“

Was können wir also aus diesem Gleichnis Jesu lernen?

Der heilige Franz von Sales sagte in diesem Zusammenhang einmal: „Wir müssen zwei gleich feste Vorsätze fassen: (Erstens:) Nicht unruhig werden, wenn wir das Unkraut in unserem Garten wuchern sehen, (und zweitens:) zugleich aber den Mut haben, es ausreißen zu wollen“ (DASal 2,137).

Widerspricht er damit nicht den Aussagen Jesu? Nein, denn es gibt einen Unterschied: Franz von Sales spricht vom Bösen, dass sich ganz klar vom Guten unterscheidet … und wenn ich das erkannt habe, dann muss ich auch den Mut haben, etwas dagegen zu unternehmen.

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen diese Unterscheidung nicht klar ist und genau von solchen Situationen erzählt auch unser Gleichnis … und hier sollen wir eben nicht unruhig werden, sondern darauf vertrauen, dass Gott selbst das Böse vernichten, und das Gute bewahren wird.

An einer anderen Stelle meint Franz von Sales: „Wir dürfen von uns nicht mehr verlangen, als in uns ist.“ (DASal 6,332) Das heißt: Wir haben Stärken, aber genauso auch Schwächen. Manchmal ist das gar nicht so einfach zu unterscheiden, was Stärke und was Schwäche ist – und da darf man dann eben ruhig darauf vertrauen, dass Gott das Unvollkommene, das in uns ist, auch vollenden wird. Jedenfalls ist es nicht notwendig, dass wir uns überfordern und mehr von uns verlangen, als wir können. Das, was wir tun können, das sollten wir allerdings auch wirklich tun.

Es gibt ein wunderschönes Gebet, das auch immer wieder sehr gerne gebetet wird, und uns gerade in diesem Zusammenhang unserer Stärken und Schwächen, von Unkraut und Weizen gut weiterhelfen kann. Es stammt vom amerikanischen Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr und lautet:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS