Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis (Lk 16,10-13)

Meister der Kleinigkeiten

Dass Kleinigkeiten große Wirkung haben können, das konnten wir ja gerade erst erleben: ein falscher Klebstoff genügt und schon gerät die Innenpolitik eines ganzen Landes durcheinander.

Nicht umsonst gibt es das Sprichwort, dass der Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, oder dass ein Stein eine Lawine ins Rollen bringen kann, oder dass der Flügelschlag eines Schmetterlings am anderen Ende der Welt eine Katastrophe auslösen kann. Und genau betrachtet besteht das System der Computertechnologie, von der mittlerweile die ganze Welt abhängig ist, aus nichts anderem als nur zwei Ziffern: aus 0 und 1. Und wie sagte schon Neil Armstrong, als der den Mond betrat? „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“

So wundert es nicht, dass auch Jesus Christus davon überzeugt war, dass es im Leben vor allem auf die Kleinigkeiten ankommt. So steht es jedenfalls im heutigen Evangelium: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen … und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.“

Unser Pfarrpatron, der heilige Franz von Sales, war übrigens ein Meister der Kleinigkeiten, der kleinen unscheinbaren Dinge, die unser Leben täglich begleiten. In seinen Schriften macht er vor allem auf die so genannten „kleinen Tugenden“ aufmerksam. Diese Tugenden nennt er nicht deshalb „klein“, weil sie unbedeutend oder weniger wertvoll wären. Ganz im Gegenteil: „klein“ sind sie, weil sie gerade für die kleinen Dingen des alltäglichen Lebens so wichtig sind und daher ständig, immer und überall geübt werden können: Demut, Sanftmut, Geduld, Herzlichkeit, Barmherzigkeit, Gelassenheit, Achtsamkeit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Zufriedenheit und viele andere mehr. Die große Tugend Tapferkeit zu üben, meint er, dazu habe ich selten Gelegenheit, aber die Übung der Geduld mit lästigen Mitmenschen zum Beispiel, die brauche ich jeden Tag. Große Reden und Vorträge zu halten, dieser Herausforderung müssen wir uns eher selten zu stellen, viel entscheidender aber sind die kleinen Worte, die wir jeden Tag verwenden können: Danke, Bitte, ein Gruß, ein Lächeln. „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch bei den großen.“

Gleiches gilt für die Fehler und Schwächen. „Wölfe und Bären“, so sagt Franz von Sales, „brauche ich nicht zu fürchten, denn diesen begegnet man äußerst selten.“ Das Problem sind also nicht die großen Sünden, sondern die Mücken, also die kleinen Fehler und Schwächen, die mich ständig umgeben und herausfordern.

Ein jeder und eine jede, die eine Wohnung sauber zu halten hat, weiß, dass nicht der große Dreck das wahre Problem ist, sondern der Staub, der sich in jeder Ecke und Ritze sammelt. Und wenn ich zu lange mit dem Putzen warte, dann kann daraus ein ziemliches Schmutzloch werden. „Wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.“

Auf die Kleinigkeiten kommt es also an. Bei Jesus ebenso wie bei Franz von Sales. Und diese Kleinigkeiten sind auch deshalb so entscheidend, weil sie uns Menschen überhaupt nicht überfordern. Jede und jeder ist fähig, diese kleinen Dinge zu tun oder nicht zu tun und zwar jeden Tag und an jedem Ort.

Franz von Sales hatte dafür ein Motto, das wir uns merken können, weil es so einfach ist und nur aus drei Worten besteht. Sein Motto lautet: „Wenig und gut“.

„Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS