Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis (Lk 13,22-30)

Bemüht euch mit allen Kräften

In einer Dokumentation des Zweiten Deutschen Fernsehens über die zehn größten Rätsel der Menschheitsgeschichte erzielte vor ein paar Monaten die Frage, wie es mit dem Menschen nach seinem Tod weitergeht, den ersten Platz.

Die eben gehörte Stelle aus dem Lukas-Evangelium wird verständlicher, wenn wir uns bewusst machen, dass Jesus hier genau auf eine solche Frage antworten soll: „Einer fragt ihn: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“

Diese Frage klingt so, als würde der Fragende auch schon die Antwort kennen: „Herr, ich habe doch Recht, wenn ich behaupte, dass nur wenige gerettet werden – oder?“ Der Fragende will also von Jesus eigentlich nur bestätigt bekommen, dass er mit seiner Meinung richtig liegt. Jesus aber durchschaut diese Strategie und durchkreuzt sie: So einfach, wie du meinst, ist die Antwort leider nicht.

Und das wird auch in dieser erwähnten ZDF-Dokumentation bestätigt. Ein jeder Mensch weiß zwar, dass er irgendwann früher oder später mit Sicherheit sterben wird, ob und wie es dann weitergeht, darüber gehen die Meinungen jedoch ziemlich auseinander. Und seit die Zahl jener Menschen zunimmt, die gar nicht mehr an ein Leben nach dem Tod glauben, verschwindet klarerweise auch das Interesse daran, was mit mir nach meinem Tod geschieht. Das Thema Sterben und Tod wird so gut es geht aus unserem Bewusstsein verdrängt. Wir fragen nicht mehr so viel nach den so genannten letzten Dingen: also nach Himmel, Hölle, Fegefeuer, Gericht, ewiges Leben oder ewige Verdammnis.

Zur Zeit Jesu aber war das genaue Gegenteil der Fall, da war diese Frage das TOP-Thema, das wirklich alle Menschen brennend interessierte: Wer wird gerettet, was geschieht mit mir, wenn ich einmal gestorben bin? Und diesen Menschen gibt Jesus im heutigen Evangelium eigentlich ganz interessante Antworten, die vielleicht auch die eine oder den anderen von uns zum Nachdenken anregen können.

Die erste Antwort Jesu lautet: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.“ Der Himmel ist also alles andere als ein Selbstläufer, es kommt schon darauf an, dass ich mich bemühe, in den Himmel zu kommen.

Die zweite Antwort Jesu lautet: Fang mit deinem Bemühen am besten sofort an, denn es kann sein, dass es irgendwann zu spät und die Tür verschlossen ist – und dann nützt es nichts, wenn ihr sagt, wir kennen uns doch, wir haben doch schon zusammen gegessen oder getrunken.

Und schließlich seine dritte Antwort: Es kann durchaus sein, dass am Ende alles ganz anders ist, als ihr euch das heute vorstellt: die Letzten können die Ersten sein, und die Ersten die letzten.

Was muss ich also tun, damit ich am Ende meines Lebens gerettet werde? Auch der heilige Franz von Sales lebte in einer Zeit, in der diese Frage auf sehr großes Interesse stieß. Er empfiehlt uns ganz im Sinne Jesu Folgendes:

Lass den Kontakt mit Gott nicht abreißen. Bemühe dich jeden Tag von neuem, in allem, was du tust, dich für Gott zu entscheiden. Mach ihm durch deine Gedanken, Worte und Taten deutlich, dass du ihm folgen willst, mit den Fähigkeiten, die er dir geschenkt hat … Und dann vertraue darauf, dass er das Gute, das du begonnen hast, auch vollenden wird.

Wörtlich schreibt Franz von Sales: Gott „will, dass alle gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Er will nicht, dass einer verlorengehe. Unser Verderben kommt von uns und unsere Hilfe von der göttlichen Güte.“ (DASal 10,24)

Gott träumt also davon, dass alle Menschen gerettet werden. Jesus formuliert diesen Traum am Ende des heutigen Evangeliums so: „Von Osten und Westen und von Norden und Süden wird man kommen und im Reich Gottes zu Tische sitzen“. Helfen wir also mit, dass dieser Traum Jesu in Erfüllung geht. Es ist ja auch in unserem Interesse. Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS