Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis (Lk 9,51-62)

Was bedeutet Nachfolge?

Was bedeutet Nachfolge? Gerade können wir das eigentlich wieder sehr schön erleben, wenigstens all jene, die die Fußballeuropameisterschaft verfolgen. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um bei den Spielen dabei sein zu können, wenn nicht im Stadion, dann wenigstens beim Public Viewing oder am Fernseher. Alle möglichen und unmöglichen Fanartikel werden gekauft, es wird gejubelt, geschrien und getanzt, aber genauso geschimpft und geweint. Wenn die Hymne des eigenen Landes erklingt, stehen alle auf – und wehe, wenn das jemand nicht tut.

Manchmal, so denke ich, wäre es schön, wenn auch wir Christen in der Nachfolge Jesu so ein bisschen etwas vom Engagement und der Begeisterung von Fußballfans mitbringen würden.

Wie wir allerdings aus dem heutigen Evangelium gehört haben, war das schon zur Zeit Jesu nicht überall so. In einem samaritischen Dorf wurden Jesu und seine Jünger völlig abgelehnt, und andere, die zwar Interesse an Jesus zeigten, zogen sich dann doch wieder zurück, weil ihnen schließlich und endlich andere Dinge wichtiger waren, oder ihnen die Forderungen Jesu zu radikal erschienen.

Nachfolge ist also gar nicht so einfach – und mit Sicherheit ein Risiko, weil ich ja trotz allem nicht genau weiß, was mit mir passieren wird.

Der heilige Franz von Sales war sicher ein treuer Anhänger Jesu seit seiner Kindheit. Und trotzdem zögerte er in seinem Leben zweimal bei einer Einladung Jesu, ihm zu folgen. Das erste Mal war es bei seiner Priesterweihe … Er wusste, dass sein Vater dagegen war, für ihn war eigentlich schon alles für eine bürgerliche Karriere vorbereitet, sogar eine Ehefrau hat der Vater für ihn bereits ausgesucht. Es dauerte ein paar Monate, bis sich Franz von Sales ein Herz fasste und seinem Vater mitteilte, dass sein Lebensplan ein anderer ist, nämlich als Priester Jesus nachzufolgen.

Und das zweite Mal zögerte Franz von Sales bei seiner Bischofsweihe. Hier überlegte Franz von Sales sogar über ein Jahr lang, bevor er einwilligte, im Auftrag seines Bischofs nach Rom zu reisen, um sich dort der Bischofsprüfung zu unterziehen, die ihn dazu berechtigte, Nachfolger seines Bischofs zu werden.

Wer von Gott zur Nachfolge eingeladen wird, darf also durchaus zögern, ja, er darf sich Bedenkzeit erbeten – eines aber sollte nicht geschehen, die Einladung Gottes einfach zu ignorieren.

Und wer ist nun zur Nachfolge eingeladen? Hier dürfen wir ganz entspannt sein: Jeder Mensch ist zur Nachfolge eingeladen. Jeder von uns ist dazu berufen, mit Jesus Christus zu gehen, und sein Leben, seine Fähigkeiten ganz in seinen Dienst zu stellen, an dem Ort, an dem er lebt und arbeitet.

Das Problem unserer heutigen Zeit und Welt ist also nicht, dass wir nicht eingeladen wären, das Problem ist, dass sehr viele Menschen diese Einladung gar nicht interessiert, weil ihnen alles Mögliche andere wichtiger ist. Und hier sind Jesus Christus dann leider die Hände gebunden, denn er zwingt niemandem dazu, ihm zu folgen, weil er unsere Freiheit respektiert.

Franz von Sales verwendet dazu ein sehr sprechendes Bild von den Stieren und Büffeln. Er schreibt: „Gott zieht uns nicht mit eisernen Fesseln an sich wie Stiere oder Büffel, sondern er wirbt um uns, er lockt uns liebevoll an sich durch zarte und heilige Einsprechungen.“ (DASal 3,129)

Und Gottes Freude ist grenzenlos, wenn wir in aller Freiheit seiner Einladung folgen und ihm sagen: „Ja, Gott, ich will dir folgen, wohin du auch gehst.“ Amen.

P. Herbert Winklehner OSFS