ERDBEBEN IN HAITI
Von großer Spendenbereitschaft überrascht
Solidarität macht Schule: Helmut Enzenberger übergab 5000 Euro für Haiti an Salesianerpater Josef Költringer

Ein Euro pro Schüler und Lehrer hatte sich Helmut Enzenberger für seine Spendenaktion «Solidarität macht Schule» an den beiden Neumarkter Gymnasien zum Ziel gesetzt. Es sind dann aber sogar 5000 Euro geworden.
NEUMARKT (hcb) - Die überreichte er gestern Vormittag in der Mensa dem Missions-Prokurator des Salesianer-Ordens, Pater Josef Költringer. Der wird die Spende weiterleiten nach Haiti, wo, wie berichtet, das Schul-Zentrum «Hands Together» der Salesianer am 12. Januar in Sekunden von dem fürchterlichen Erdbeben vernichtet wurde.
Költringer, unüberhörbar österreichischer Herkunft, ist ein in der Mission, so wie sie die katholische Kirche heute versteht, erfahrener Mann. 15 Jahre war er in Indien, auf den Philippinen und in Vietnam tätig. Als Prokurator war er auch schon zwei Mal in Haiti und er kennt das Schulprojekt in der Hauptstadt Port-au-Prince.
Immer noch sei nicht bekannt, wie viele Schüler und Lehrer unter den Trümmern begraben sind, berichtete er den Klassenvertretern der beiden Gymnasien. Von den Landwirtschaftsschulen, die der Orden außerhalb der Stadt betreibt, gebe es noch gar keine Nachricht. Schulgründer Tom Hagan überlebte nur, weil die Mauern des Gebäudes, in dem er sich befand, nach außen stürzten und er reaktionsschnell unter einem Tisch Zuflucht gesucht hatte.
Inzwischen sei ihm, so Költringer weiter, die Aufgabe übertragen worden, weltweit um Hilfe für die Ordensarbeit auf Haiti zu bitten. Momentan werde Geld gebraucht, um in Nachbarstaaten Nahrungsmittel und Wasser zu kaufen. Dann wollen sich die Salesianer um den Wiederaufbau des Schulzentrums kümmern, an dem vor dem Erdbeben 6700 Kinder eine kostenlose Ausbildung bekamen.
«Kurzzeitig», gestand Költringer, «haben wir uns sogar überlegt, auf den Wiederaufbau zu verzichten, aber den Gedanken dann ganz schnell wieder verworfen.»
Allerdings sei die Situation derzeit äußerst schwierig. Die Unterbringung des Personals, bis wieder eigene Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, werde teuer, weil Wohnraum denkbar knapp geworden ist.
Die Infrastruktur war schon vor dem Erdbeben schlecht gewesen. Nahezu ausnahmslos stammten die Bewohner Haitis, erzählte Költringer den Schülern, von Sklaven ab, die die Franzosen aus Afrika ins Land gebracht hatten. Als die Kolonialmacht über Nacht abzog, wurden die ehemaligen Sklaven sich selbst überlassen. Sie hätten nicht gelernt, sich zu organisieren. Deshalb sei Haiti eines der ärmsten Länder der Welt geblieben.
Die Spende der beiden Neumarkter Gymnasien geht über die Oblaten des heiligen Franz von Sales, wie die korrekte Ordensbezeichnung lautet, direkt an die hilfsbedürftigen Menschen.
Diese Solidarität der Pennäler hat tatsächlich Schule gemacht, verriet Helmut Enzenberger. Andere Schulen in Neumarkt wollen sie fortsetzen.
Neumarkter Nachrichten, 23.1.2010
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